Ein interdisziplinärer Wissensquerschnitt zum Phänomen "Zeit" - das ist ein faszinierendes Thema und sollte Garant sein für eine packende Lektüre.
Leider scheint Klaus Mainzer zu stark mit der Materie verhaftet zu sein. Vielleicht ist auch das Publikationsformat (135 reine Testseiten mit insgesamt fünf mehr als sparsamen schematischen Skizzen) trotz der dadurch unschlagbar günstigen Produktionskosten nicht für die Thematik geeignet.
Spätestens im dritten Kapitel läßt Mainzer die meisten Leser hinter sich. Eine kleine Kostprobe: "Die Raum-Zeit-Struktur, die sich aus Einsteins Prinzipien ergibt, wird durch eine passende Transformationsgruppe für Inertialsysteme festgelegt. ... Zusätzlich soll aber in jedem Inertialsystem in Übereinstimmung mit den Maxwellschen Gleichungen die Lichtgeschwindigkeit denselben konstanten Wert c aufweisen." (Mainzer, S. 45)
Zu Einsteins theoretischen Ansatz kann wohl jeder Bildungsbürger ein mehr oder minder großes Bruchstückwissen vorweisen. - Fragt sich nur, was ein Inertialsystem ist und was die Maxwellschen Gleichungen aussagen. Mainzer erklärt es uns leider nicht.
Kurz: Hier wird mit zu vielen Vorannahmen gearbeitet, implizit muss wohl jeder Leser zumindest ein Vordiplom Physik mitbringen.
Im Kontrast zu den völlig abgehobenen Ausführungen zu den physikalischen Zeitaspekten wirken die geistes- und sozialwissenschaftlichen Ausführungen erstaunlich dünn und wenig aktuell. Mainzer scheint sich eher in der klassischen Philosophie auszukennen als in der neueren (z.B. Luhmann-geprägten) Soziologie. Zu wenig, zu einseitig, um den aufgestellten Anspruch zu erfüllen.
Prinzipiell mag ich die Becksche Wissensreihe, die für wenig Geld wissenschaftliche Infos zu mehr oder minder spezifischen Themen bietet. Hier haben sich die Lektoren aber einen zu einseitigen Spezialisten ausgesucht.