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Zeit des Verschwindens: Roman
 
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Zeit des Verschwindens: Roman [Taschenbuch]

John von Düffel
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Januar 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423129395
  • ISBN-13: 978-3423129398
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 198.899 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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John von Düffel
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist ein Buch, das auf sehr zarte Weise anrührt und letztlich im Innersten weh tut, aber auch eine große Portion Hoffnung und Kraft ausstrahlt. Für zwei Menschen wird der Leser zum intimen Zuhörer. Zwei Menschen, die ihre ganz eigene Lebensgeschichte aufblättern: Ein Mann, der nach langer Zeit der Trennung seinen Sohn Philipp an dessen Geburtstag besuchen will und eine Frau, Christina, deren Schwester Lena bei einem Unfall stirbt. Beide Lebenswege treffen in einem sich schicksalhaft zuspitzenden (aber nicht ganz nachvollziehbaren und etwas zu theatralischen) Schluss aufeinander.

Philipps Vater und Christina leben in Beziehungen, in denen es vor lauter zugeschüttetem Alltag so laut kriselt, dass es schon niemand mehr hört. Rechtfertigungsdruck, Angst, Misstrauen, Enttäuschung, unerfüllte Sehnsüchte und so schrecklich viel Unausgesprochenes drängen zum Abschied, zum "Verschwinden" eben. In Beziehungen wird alles mit der Zeit "selbstverständlich" und "damit irgendwie wertlos", sagt Christina und Philipps Vater, der glaubt, "ein Experte in Sachen Abschied" zu sein, sagt, es gebe über jeden Menschen einen Satz, der ihn zerstöre und hat Angst, vor Schwäche, seiner Sehnsucht, der Liebe.

In feinfühliger, zärtlicher Weise lässt John von Düffel seine beiden Figuren spüren, um wieviel stärker und unausweichlicher ihr Leben noch bestimmt wird von Philipp und Lena. Vater und Sohn hier, die Geschwister dort. Die intensiven und dichten Gedankenbilder, die behutsame und vorsichtige emotionale Auseinandersetzung sind von Düffel in ihrer eindringlichen Art ausgezeichnet gelungen. Wie schon in seinem erfolgreichen Roman Vom Wasser spart er auch hier mit wörtlicher Rede, aber leise Gedanken, heimliche Wünsche, Träume und Sehnsüchte sind klarer und lauter, als jede wörtliche Rede sein könnte.

In einem Interview sagte von Düffel, der als Dramaturg am Schauspielhaus in Bonn arbeitet, ihn fasziniere am Roman die "Verfügbarkeit der Zeit" im Gegensatz zum Theater, wo der Augenblick, die Gegenwart bestimmend seien. Diese Aussage lässt im Roman Zeit des Verschwindens keinen Zweifel. --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Wohngemeinschaftsküchendiskussion

John von Düffels «Zeit des Verschwindens»

Anfang dreissig ist der Mann erst, aber was hat er nicht schon auf die Beine gestellt: Philosophie studiert und sogar promoviert, Übersetzungen angefertigt, Film- und Theaterkritiken geschrieben, dazu eine ganze Reihe von – aufgeführten – Bühnenwerken mit so ansprechenden Titeln wie «Sauriersterben», «Shakespeare, Mörder, Pulp und Fiction» oder «Das schlechteste Theaterstück der Welt». Ein Ausschnitt aus seinem ersten Roman, «Vom Wasser», bekam eine Auszeichnung beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb, der ganze dann den «aspekte»-Literaturpreis für das beste Début des Jahres 1998.

Im Brotberuf ist John von Düffel Dramaturg, nach Stationen in Stendal, Oldenburg und Basel derzeit in Bonn. Und Langstreckenschwimmer ist er auch noch. Darf man ihn einen Tausendsassa nennen? Oder etwas bescheidener einen Hundert-, einen Dutzendsassa? Ein begabter Mensch ist er in jedem Fall, und jetzt hat er sich erneut auf die lange Strecke gewagt.

«Zeit des Verschwindens» heisst sein zweiter Roman und erzählt erstens von einem Geschäftsmann, der sich von seiner Familie entfremdet hat, jetzt aber nach Hause fährt, zur Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes. Er erzählt zweitens von Christina, die über den Tod ihrer Schwester hinwegzukommen versucht. Zwei Menschen, die sich ähnlicher sind, als es zuerst erscheint, und die sich am Ende des Romans auf eine fatale Weise begegnen.

Beiden fehlt es an Selbstbewusstsein. Der namenlose Geschäftsmann kaschiert und überspielt die eigenen Schwächen, indem er die seiner Mitmenschen aufspürt; die verwaiste Schwester gibt sie unumwunden zu und preis. Die andere, meint sie, war immer die Bessere, jünger, aber schneller, klüger und intensiver; deshalb auch begehrter. Gern gab sich Christina mit der Rolle der Zweiten zufrieden, trat der anderen sogar ihre Freunde ab in dem Gefühl, es sei richtiger so.

Ihren jetzigen Liebhaber, einen pedantischen Gecken, der sich zweimal täglich rasiert und ewig das Bad okkupiert, hat sie ihr allerdings vorenthalten. Sie empfindet Schuldgefühle darüber und ist deshalb erleichtert, als eine alte Schulfreundin auftaucht, der sie den Mann mit dem Rasierfimmel ersatzweise überlassen kann.

Mit diesen Angaben ist der Stoff des Romans bereits fast erschöpfend abgehandelt. Im Unterschied zum Erstling, einer Familiengeschichte über mehrere Generationen und voll an dramatischen Ereignissen, wird diesmal wenig erzählt und viel geredet. Nicht etwa miteinander – auf Dialoge verzichtet der Dramatiker John von Düffel auch in seinem zweiten Prosawerk konsequent –, sondern mit sich selbst; der Geschäftsmann und die Schwester führen ihre Selbstbetrachtung als inneren Monolog. Nun ist das eine schwierige Form und im Fall John von Düffels eine unglückliche Wahl. Sie führt bei beiden Figuren nicht zur Eröffnung unvermutet reicher Innenräume, sondern bloss zu Redeströmen, die auch noch über die Ufer treten.

Dergleichen erträgt man schon bei Menschen aus Fleisch und Blut nur schwer, in druckerschwarzer Form aber gar nicht. Das liegt auch am Ton, den beide Monologisierer anschlagen und der jedem in den Ohren klingen wird, welcher an den Wohngemeinschaftsküchendiskussionen seligen Angedenkens teilnehmen durfte. Es ist der Jargon des Beziehungsgesprächs, der – handwerklich gesprochen – nicht den Bohrer der Erkenntnis in die Tiefe treibt, sondern mit der Maurerkelle rührt, streicht und vergröbert.

Zwar spürt man beim Autor die Bemühung um treffende Formulierungen; oft wird die Mühe auch belohnt und mündet in Sätze wie diesen: «Es tut am meisten weh, das zu verlieren, was einem nie wirklich gehört hat.» Das kann man sogar einen gelungenen Aphorismus nennen. Aber den Punkt, auf den er eine Sache einmal gebracht hat, verschmiert Düffel dann wieder mit all den Sätzen, die er noch anfügt. Beziehungsgespräche dürfen redundant, also voller Wiederholungen sein, aber nur in der Wirklichkeit, nicht im Roman.

Immerhin: Auch in diesem kann John von Düffel seine erzählerische Begabung nicht ganz verleugnen, sie bricht in einigen Szenen deutlich hervor. Fein beobachtet (oder gut erfunden) und subtil gestaltet sind etwa die Momente, in denen der Held merkt, dass seine Frau ihn betrügt. Da gibt es plötzlich lauter kleine Details, die, in neuem Licht betrachtet, einen langen Schatten werfen. Aber viel zu wenig Szenen von dieser Art und Kraft finden sich in diesem Roman, allzu selten werden die ermüdend allgemeinen Erörterungen über Partnerprobleme und Selbstfindung, abwesende Väter und unzugängliche Söhne durch Anschauung beglaubigt. Also viel zu viel introspektiver Leerlauf, zu wenig Aktion. Zu viel Weisheiten, zu wenig Wahrheit: Denn die ist immer konkret.

Martin Ebel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Emma Tom
Format:Taschenbuch
Sätze wie "Er wundert sich in seine eigene Welt" und "Fotos zerschlagen die Zeit in Momente" tauchen nicht selten auf, in diesem wunderbaren Roman. Zwei traurige Geschichten, die durch einen Satz auf Seite 162 zusammengefügt werden. Ab diesem Moment,weiss ich nicht, ob ich das Atmen vergessen habe oder ob mein Herz so laut geschlagen hat, so dass ich nichts mehr gehört habe. Auf Seite 126 behauptet eine der Hauptfiguren, das "Glück mit ihrem Freund" nur geliehen zu haben. Ich habe zum Glück das Buch geliehen bekommen und ich bin sicher, dass ich es mir kaufen werde.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Roland Freisitzer TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ein sehr poetisches Buch, wunderschön unsentimental geschrieben, ein Buch, das ich sicher wieder lesen werde. Ich habe normalerweise nicht die Angewohnheit, mir Phrasen oder Sätze in Büchern anzustreichen (Bleistift), in Zeit des Verschwindens habe ich das getan. Fast auf jeder Seite sind kleine Wahrheiten versteckt, Sätze, die man immer wieder gerne liest.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Trennung 15. Juni 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch rüttelte Erinnerungen in mir wach und zwar aus Sicht des Sohnes. Es gibt einfach Väter, die nie anwesend sind, selbst wenn sie sich physisch in der Familie aufhalten. In diesem Buch wird aber auch einfühlsam dargestellt wie der Vater fühlt und dass er trotz aller Liebe zu seinem Kind und auch zu seiner Frau nicht die Beziehungen aufbauen kann, die er sich eigentlich wünscht. Man kann daher Verständnis aufbringen, aber auch Wut.
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