Aus der Amazon.de-Redaktion
„Wahre Liebe ist wie Gespenster, von denen jedermann spricht, die aber nur wenige gesehen haben“. Auf schmerzhaft paradoxe Weise umreißt jene dreihundert Jahre alte, dem Roman vorangestellte Maxime des französischen Moralisten François de La Rochefoucauld punktgenau Ross Wakemans Misere: Zwar durfte er besagten wenigen angehören – seit dem tödlichen Unfall seiner Frau jagt er hingegen wortwörtlich einem Gespenst nach. Diese aus ungebrochener Liebe betriebene Geistersuche macht sich nun ein Unternehmer zunutze. Ross soll vermeintlich paranormale Phänomene widerlegen und den herrschenden Aberglauben beenden, dass Bauarbeiten auf dem Friedhofsgelände der Abenaki-Indianer die Rache der Toten heraufbeschwören. Ausgerechnet jetzt wird Ross’ Suche allerdings erstmals von Erfolg gekrönt sein …
Beließe es Jodi Picoult knappe 500 Seiten bei einer oberflächlichen, wenngleich spannenden Mystery-Lovestory, gelte sie nicht als amerikanische Schriftstellerin von Rang. Nahezu unmerklich schleicht sich ein beklemmendes Kapitel Geschichte in den fiktiven Text ein: das Vermont Eugenik-Projekt der zwanziger und dreißiger Jahre. Wissenschaftler strebten mittels kontrollierter Fortpflanzung und „freiwilliger“ Sterilisation die Erschaffung einer Idylle an, in der man lediglich Bewohner mit „idealer“ Erbmasse akzeptierte. Indianer sowie Angehörige Nervenkranker wurden fast per se als „fruchtbare Minderwertige“ abgestempelt und Verwandtschaftsverhältnisse entsprechend vertuscht. Anknüpfungspunkte hierzu bildet die Autorin mithilfe von Zeitsprüngen, insbesondere jedoch anhand der Romanfiguren: Hauptbindeglieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind eine moderne Genetikerin, ein alter Abenaki-Indianer, eine geheimnisvolle Frau, deren tragischer Tod eng mit dem Eugenik-Projekt zusammenhängt, und nicht zuletzt Ross Wakeman selbst.
In Jodi Picoults Werken – etwa Neunzehn Minuten – tun sich aus den Blickwinkeln vieler Personen peu à peu erschreckende, unerwartete Abgründe und Facetten verletzter Seelen auf. Meisterhaft geschrieben, bildet Zeit der Gespenster da keine Ausnahme. Angeblich sei Jodi Picoult von all ihren Romanen dieser sogar der liebste. Das mag jeder Leser selbst entscheiden – bemerkenswert ist das Resultat ihrer gründlichen Recherchen und Erzählkunst erneut allemal. – Fenja Wambold
Pressestimmen
»Mystery-Lovestory mit Geistersuche, unsterblicher Liebe, atemloser Spannung. Eine fast übersinnliche Erfahrung für alle, die nachts lesen und den Tag darauf im Liegestuhl verträumen wollen.« Brigitte »Ein echter Picoult! Geschichtlich interessant, einfallsreich verwoben, spannend durch und durch.« Denglers Buchkritik
Kurzbeschreibung
Ross Wakeman war für alle nur ein riesengroßer Glückspilz. Wieviele Unfälle und Gefahren hatte er lebend überstanden! Ebenso sicher, wie er wusste, dass morgen die Sonne aufgehen würde, wusste er inzwischen auch, dass er nicht sterben konnte – obwohl Ross nichts sehnlicher wünschte. Denn in einem tragischen Unfall hatte er seine geliebte Frau Aimee verloren. Nun wollte Ross nur noch eines, nämlich mit den Geistern der Toten Kontakt aufnehmen. Vielleicht schien er deshalb den Menschen in Comtosook der ideale Vertraute, wenn es darum ging, Geister aus ihren Häusern zu vertreiben. Auch Spencer Pike hofft auf Ross, denn er will auf einem indianischen Grundstück ein Bauprojekt realisieren. Doch er stört damit die Ruhe der Geister auch seiner eigenen schauerlichen Vergangenheit.
Über den Autor
Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, lebt nach ihrem Studium in Princeton und Harvard zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. 1992 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. 2003 wurde sie für ihre Werke mit dem National England Book Award ausgezeichnet. Sie gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit. Wie alle ihre Romane, unter anderem »Die Wahrheit meines Vaters« und »Neunzehn Minuten«, schoss auch der zuletzt erschienene »Das Herz ihrer Tochter« in den USA aus dem Stand auf Platz 1 der Bestsellerliste. Die Verfilmung ihres Romans »Beim Leben meiner Schwester« war einer der beliebtesten Filme des vergangenen Herbstes.