Ich bin eher durch Zufall damals zu diesem Buch gekommen und es ist mittlerweile etwas her, dass ich es gelesen habe.
Das Buch handelt von dem Leidensweg eines hochbegabten, verhaltensauffälligen Kindes mit Legasthenie und einer taktilen Wahrnehmungsstörung.
Ehrlich gesagt kann ich die guten Kritiken für dieses Buch nicht verstehen.
Der Schreibstil wirkt an manchen Stellen etwas unbeholfen, im Allgemeinen recht nüchtern, was daran liegen kann, dass die Autorin noch nicht viel geschrieben hat.
Es ist wahr, dass hochbegabte Kinder schwierig sein können, aber viele sind auch vollkommen unauffällig, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß.
Meiner Meinung nach hätte das Buch genauso gut "Der Leidensweg eines Kindes mit Legasthenie" heißen können, was die Schwierigkeiten beim Lesen und in Deutsch eher erklärt als eine Hochbegabung.
Betroffen gemacht hat mich die Schilderung des Krankenhausaufenthaltes, in welchem das kind wegen falsch diagnostizierter ADHS war. Auch Kinder mit wirklicher ADHS wären hier nicht gesund geworden. Es gibt leider viel zu viele inkompetente Lehrer und Ärzte, die sich eigentlich kaum für ihre Patienten/ Schüler interessieren.
Obwohl der Schreibstil recht nüchtern ist, ist er nicht objektiv. Man liest die einseitige Sicht einer Mutter deutlich heraus und an vielen Stellen hat man das Gefühl, dass wichtige Details weggelassen wurden.
Dass das Kind hochbegabt ist möchte ich auch nicht bestreiten, aber die auftretenden Probleme haben nicht unbedingt etwas mit Hochbegabung zu tun.
Die Verhaltensauffälligkeit kann auch auf Vernachlässigung zurückzuführen sein (reine Mutmaßung). So schreibt die Mutter, dass sie sich an einem Tag als ihr Sohn eine Blinddarm-OP hatte tatsächlich freinehmen konnte. Sie hatte zuvor seit Jahren nur einmal Urlaub genommen, aber sie brauche ja auch keinen, schließlich würde ihr Mann auch keinen nehmen weil er so viel zu tun hätte. Auch wenn man kein Hausmütterchen ist, klingt das stark nach Workaholic-Familie, wo ein Kind eigentlich keinen Platz hat.
Zusammenfassend finde ich die Geschichte zu wenig objektiv durchleuchtet und den Schreibstil zu eintönig. Obwohl es eine sehr perönliche Erzählung ist werden kaum Emotionen vermittelt (mit Tierversuchen hat die Autorin wie in der Schilderung der neuen Schule klar wurde auch keine moralischen Probleme, aber das ist ein anderes Thema). Außerdem vermittelt sie nicht wie erwartet genauere Einblicke in das Thema Hochbegabung.