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Zeit der Freiheit. Aus den Zentren von Mitteleuropa
 
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Zeit der Freiheit. Aus den Zentren von Mitteleuropa [Gebundene Ausgabe]

Timothy Garton Ash , Susanne Hornfeck
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 3 (20. September 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446197583
  • ISBN-13: 978-3446197589
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 784.453 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Chronist der mitteleuropäischen Zeitgeschichte

Timothy Garton Ashs Rückblick auf ein Jahrzehnt

A. O. Vor allem einmal: Sässen in westeuropäischen Hauptstädten, in Regierungsämtern, in Redaktionen und an Universitäten, etwas mehr engagierte Kenner Mitteleuropas vom Schlage des britischen Publizisten und Historikers Timothy Garton Ash, dann hätte westliche Politik im letzten Jahrzehnt – vielleicht – den einen oder anderen schwerwiegenden Fehler bei der Behandlung der ostmitteleuropäischen Länder und namentlich Südosteuropas nicht begangen. Vielleicht. Die Einschränkung ist nötig und im Sinne des hier besprochenen Verfassers. Denn er selber nimmt im vorliegenden Buch, einer Sammlung von früher schon gedruckten Berichten und Essays, keine Retuschen vor. Vielmehr lässt er auch einstige eigene Irrtümer ehrlich stehen: als Zeugnisse seines damaligen Erkenntnisstands.

Doch täte diese einleitende Bemerkung, bliebe sie ohne Relativierung stehen, Garton Ash Unrecht. Denn nicht die gelegentlichen Irrtümer fallen bei der Lektüre in erster Linie auf, sondern die zahlreichen und erstaunlich frühen treffenden Diagnosen; Schilderungen und Analysen von Grundzügen der politischen Entwicklung, die in den zuvor kommunistisch beherrschten Ländern Ostmitteleuropas nach der Wende von 1989 einsetzte. Garton Ash machte als einer der ersten auf ein solches Phänomen aufmerksam wie die höchst fragwürdige Umwandlung des früheren kommunistischen Apparats in Träger der wirtschaftlichen Macht. Er beschrieb schon kurz nach dem Umbruch die Spaltung der polnischen und der ungarischen Gesellschaft entlang einer alten Trennungslinie zwischen «Europäern» und «Nationalen». Ebenso wies er auf die schwere, nachhaltige Belastung aller früheren Diktaturen hin, in denen die Sünden der Vergangenheit zumeist nur mangelhaft offengelegt wurden.

Die im Band versammelten Publikationen Garton Ashs sind überwiegend auf Reisen entstanden. Ob es sinnvoll ist, Einzelheiten, Stimmungsberichte, die etwa mitten im Bosnienkrieg für den Leser ihre Bedeutung hatten, auch jetzt, Jahre später, immer noch stehenzulassen, bleibe dahingestellt. Jenseits der Reportagen sind es aber gewiss die essayistischen Abhandlungen, die den interessantesten, den besten Teil des Buches ausmachen. Eines der grossen Themen, die Garton Ash beschäftigen, ist der gesamteuropäische Rahmen, in dem die Wandlung in der östlichen Hälfte des Kontinents stattfindet, und eine Hauptthese enthält dabei Kritik an westliche Adressen. Sie besagt in Kürze, dass es nach 1989 vermutlich der falsche Weg war, Westeuropas Energien in den weiteren Ausbau und die Verfeinerung der Europäischen Union zu investieren, statt sich um die Ost- und Ostmitteleuropäer zu kümmern und ihnen bei der Überwindung ihres Rückstands über Alibiübungen hinaus beizustehen. Darin ist auch die Antwort enthalten, ob ein anderes, präventives Verhalten Jugoslawien gegenüber möglich gewesen wäre.

Ein zweites wichtiges Thema ist die Frage, wer aus welcher Perspektive ein historisches Urteil abzugeben imstande ist. Garton Ash pflegt am St. Antony's College in Oxford ein Fach, das sich «Zeitgeschichte» nennt, und er bricht denn auch eine Lanze dafür, dass nicht der Historiker allein zu Aussagen berechtigt ist, der das Geschehen nach klassischer Auffassung aus gebührender zeitlicher Distanz betrachtet. Im Gegenteil, Garton Ash hält die Ansicht für fragwürdig, wonach derjenige, der nicht dabeigewesen ist – der sich Jahrzehnte später über die Dokumente beugende Wissenschafter –, in jeder Hinsicht der verlässlichere Chronist sein sollte als der Augenzeuge. Das mutet wie eine Frage an, die nur die engere Fachwelt etwas angeht. Doch dieser Verfasser theoretisiert nicht, sondern legt seinen Lehrsatz anhand von griffig geschilderten mitteleuropäischen Zuständen dar; und er kommt aus England, wo eine wohltuende Tradition zwischen akademischen Höhen und angeblichen Niederungen des Journalismus keinen Standesunterschied macht, sondern auch dem in Oxford forschenden Gelehrten Garton Ash erlaubt, einen klugen Text in einem flüssigen, an Bildern reichen Stil niederzuschreiben.

Garton Ash kennt sein Mitteleuropa, seine regelmässigen Besuche in Ländern der kommunistischen Machtsphäre begannen lange vor 1989. Zu der gleichen politischen Region zählt er im übrigen auch Deutschland, dem seine Aufmerksamkeit zu einem Teil, aber nicht nur wegen der Hinterlassenschaft der DDR gilt. In Warschau und Prag, in Budapest und Zagreb nennt Garton Ash viele seine Freunde, unter ihnen manche, die aus einstigen Dissidenten nun zu Trägern politischer Würde und Verantwortung geworden sind. Dass der Aufstieg und der zur Gewohnheit gewordene Umgang mit der Macht diesen Freunden nicht immer gutgetan haben, verschweigt Garton Ash nicht. Unbestechlichkeit, die freilich nicht verletzend wirkt, zeichnet ihn aus. Sein Urteil über Ostmitteleuropas Jahrzehnt seit 1989 ist zuversichtlich, er hält eine Erfolgsgeschichte fest. Doch er warnt gerade die von ihm so lange verständnisvoll behandelten Mitteleuropäer davor, den geographisch-kulturhistorischen Begriff zur Ausgrenzung gegen südliche und östliche Nachbarn zu wenden. Und liberale Gesinnung, auf die er sich beruft, veranlasst ihn zur Forderung nach einem europäischen Einigungswerk, dessen erste Kriterien nicht wirtschaftliche Leistungen und Interessen, sondern Friede und Freiheit wären.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Die Frage, ob es Sinn macht, mehrere Jahre alte Essays dieser Art heute in einem Buch zu veröffentlichen, beantwortet Daniel Brössler mit einem "Ja" und schliesst sich damit Ashs Überzeugung an, dass Augenzeugen oftmals über eine zuverlässigere Urteilskraft verfügen als die rückblickende Geschichtswissenschaft. Nach Brössler ist stets Ashs Befürchtung spürbar, Ereignisse könnten zu leicht in Vergessenheit geraten und politische Chancen vertan werden. Dieses Engagement macht für den Rezensenten offensichtlich eine der Stärken dieses Buches aus. Bei seinen Betrachtungen sei Ash darüber hinaus vielseitig: Neben Gesellschaftsbildern gebe es beispielsweise auch ein persönliches Porträt von Vaclav Havel, und stets beleuchte Ash die Fragen auch im geografischen und historischen Kontext.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Neues aus Mitteleuropa 31. Mai 2007
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Nicht nur Menschen, auch ganze Nationen verstehen mitunter nicht so recht, was mit ihnen vorgeht. Diesem Umstand verdankte der junge britische Politikwissenschaftler Timothy Garten Ash in den Achtziger Jahren seinen großen Erfolg, als er als Brite in seinem Klassiker §Ein jahrhundert wird abgewählt" die Umbrüche der osteuropäischen Revolutionen dem staunenden kontinentaleuropäischen Publikum vor Augen führte.

Nach dem gleichen Muster ist auch das vorliegende Werk konzipiert, das die Veränderungen Europas in den Neunziger Jahren zum Thema hat. "Vor 1989 war Europa wie Berlin geteilt in Ost und West durch eine Mauer", schreibt Ash. "Jetzt ist Europa wie eine große amerikanische Stadt mit reicheren und relativ wohlhabenden Vierteln, so wie Georgetown oder die Upper East Side von Manhattan, die nur wenige Straßenzüge entfernt von den gewalttätigen Elendsquartieren liegen." (S.232). Interessant sind dabei für Timothy Garton Ash nicht in erster Linie die alten Kernländer der EU, also die Upper East Side, und auch nicht der wilde Ostens, der für die Ukraine, Weißrussland und Russland stehen, sondern die Zonen des Überganges, die Ash als "Mitteleuropa" kennzeichnet. Mitteleuropa, die "Gefangene des Ostens", die als Großregion alle Entwicklungen des Westens wie Renaissance, Aufklärung und Revolutionen mitgemacht hatte und vom totalitären Kommunismus zivilisatorisch barbarisiert wurde, ist ziemlich exakt identisch mit Tschechen, der Slowakei, mit Polen, Ungarn und den drei baltischen Staaten, also jenen Ländern, die noch in den Neunziger Jahren auf ihren Eintritt in die EU hofften und die seit dem 1.4.2004 aufgenommen worden sind. Diese mitteleuropäische Zone des Überganges hat im Zuge der großen Transformation mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Zunächst ist da die Frage der Aufarbeitung der Vergangenheit, die die Innenpolitik dieser Länder aufwühlt. Obwohl Geschichte, wie Ash in der Nachfolge Nietzsches anmerkt, niemals ohne Vergeben und Vergessen geschehen kann, ist der Autor für eine Aufarbeitung der Vergangenheit, kann sich aber nicht recht entscheiden, in welcher Form dies geschehen soll. Kein Wunder, dass ihn die zweite Entwicklungstendenz des neuen Mitteleuropas empört, nämlich der Wiederaufstieg der Postkommunisten in Polen und Tschechien und vielen Regionen, die unter dem marktwirtschaftlichen Wandel besonders zu leiden hatten. Stellvertretend für viele dieser unappetitlichen Renaissancen wird der Wahlsieg des Exkommunisten Kwasniewski gegen Lech Walesa in Polen angeführt. "Da sind sie wieder an der Macht; die Männer und Frauen, die uns so viel Jahre belogen haben", (S. 248), kommentiert Ash bitter und vermerkt gleichsam nebenbei, wie Oskar Lafontaine, der damals gerade neu gekürte Vorsitzende der SPD nichts Eiligeres zu tun hatte, als dem Exkommunisten Kwasniewski zu seinem Wahlsieg zu gratulieren. Aber noch wichtiger als der Wiederaufstieg der Exkommunisten, die sich inzwischen zum Teil wirklich zu Sozialdemokraten gewandelt haben mögen, ist der Geburtsmakel des neuen Europas in den Neunziger Jahren: das Wideraufbrechen der ethnischen Spannungen, dargestellt an den Gräueln der Balkankriege in Bosnien und Kosovo. Weit davon entfernt, in den Opfern nur Heilige und in den Tätern nur Monster zu sehen, konstatiert Ash an diesem gesamteuropäischen Desaster dem eine Viertelmillion Menschen zum Opfer fielen, nicht nur ein Versagen Europas ( erst das Eingreifen der USA beendete die serbischen Gemetzel) sondern die bittere Leere, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Liberalität ganz offensichtlich auf relativ homogene Nationalvölker angewiesen sind, ein Befund, den die Multikulitfans nicht gerne hören werden.

Dem Leser diese komplexen und politisch nicht immer ganz korrekten Zusammenhänge detailliert zu erklären, ist das erste große Verdient des Buches. Dass dies nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern immer anschaulich und meist eingebettet in spannend zu lesende Reportagen geschieht, ist sein zweiter Vorzug. Erst auf dem Hintergrund dieser miterlebten Geschichte werden die Wertungen, die Ash vornimmt verständlich und nachvollziehbar - es sind vorsichtige Wertungen, die der Autor anbietet, immer im Bewusstsein, dass sich die Geschichte wandelt und die Strukturen von heute schon morgen in Trümmern liegen können. Dass sich heute etwa die polnische Solidanrnocz und die polnischen Postkommunisten gegen die Sammlungsbewegung der Kazcinskibrüder in der Defensive befinden war ebenso wenig voraussehbar wie die aggressive Rückkehr der russischen Großmachtpolitik unter dem Geheimdienstchef-Präsidenten Putin. "Dieses Buch ist ein Kaleidoskop"" heißt es deswegen auch bescheiden auf S. 474. "Ich hoffe, dass in seinen bunten Fragmenten einige Wahrheiten über Europa erkennbar werden, während die Hand der Zeit sie fortwährend zu neuen Mustern arrangiert." Für alle interessierten Europäer, die wissen wollen, welche Kräfte und Gestalten in diesem Kaleidoskop am Werk sind, allererste Wahl.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
In diesem Buch werden mit Hilfe von analytischen, aber auch sehr persönlichen Aufsätzen von Timothy Garton Ash in chronologischer Reihenfolge die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts dargestellt. Dabei wird dies in einer Form getan, die dem Leser einen oft sehr viel direkteren Zugang zur Zeitgeschichte liefert, als dies die üblichen, nüchternen Werke von Zeithistorikern tun.
Die Berichte sind dabei nicht nur informativ, sondern oft auch erschütternd, z.B. wenn es um Jugoslawien geht oder um den "Kampf" des Historikers um die korrekt-angemessene Wiedergabe von Erinnerungen der Zeitzeugen, wobei sich die Opfer ungerechterweise immer besser erinnern als die Täter.
Manchmal wird das Buch sogar in einer absurd-skurrilen Weise "komisch", wenn der Autor - vielleicht mittels "typisch britischem (?)" Humor - Beispiele bringt wie von dem Schreibtischtäter, der sich einfach nicht an ein Lager namens "Auschwitz" erinnern kann (S. 305) oder ein Graffiti von einer Wand in Sarajewo zitiert, auf der zuerst geschrieben war: "Das hier ist Serbien!" Dann hatte jemand ergänzt: "Nein, du Idiot, das hier ist ein Postamt!" (S. 219) Dies belegt auch recht gelungen die Absurdität der Situation in Europa während der 90er Jahre: Einerseits schlugen in Sarajewo und anderswo die Granaten ein, andererseits meinten fast gleichzeitig die Politiker Europas, Krieg auf diesem Kontinent wäre undenkbar geworden. Das Buch behandelt daher auch recht ausführlich Fragen der "nationalen Identitätsbildung" und warum jede Nation ihren eigenen Staat fordert, was in Osteuropa besonders schwierig ist und durch einen weiteren zitierten Scherz schnell erklärt wird: Ein alter Mann erklärt einem Besucher, er sei in Österreich-Ungarn zur Schule gegangen, habe in Ungarn geheiratet und die meiste Zeit seines Lebens in der Sowjetunion gearbeitet, wohne nun aber in der Ukraine. "Viel unterwegs gewesen, wie?" fragt der Besucher. "Nein", antwortet der alte Mann, "aus Mukatschewo nie herausgekommen." (S. 410)
Wenn man sich historische Karten von 1910 bis 1999 über die politischen Grenzen in Osteuropa (z.B. Karpato-Ukraine / Uschgorod) ansieht, sieht man schnell, daß sich dieser "Scherz" tatsächlich so zugetragen haben könnte und erkennt die Herausforderungen einer politischen Neuordnung Osteuropas, wenn Minderheiten in den "neuen Demokratien" angemessen vertreten sein sollen.
Insgesamt ist dies ein wirklich empfehlenswertes und außergewöhnlich informatives Buch!
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