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Zwei starke Frauen, 1. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Im Zeichen der roten Nelke. Mutter und Tochter - zwei politisch engagierte Frauen im 20. Jahrhundert (Taschenbuch)
Vera Hemm „Im Zeichen der roten Nelke"
Ein Saal voller „kleiner Leute" in einer kleinen Stadt. Erwartungsvoll sind die Blicke auf Vera Hemm gerichtet: sie liest aus „Im Zeichen der roten Nelke", der Biographie von Mutter und Tochter Hemm. Das ist auch ihre Geschichte. 80 Jahre Konstanzer Leben ziehen vorbei: Weltwirtschaftskrise, Faschismus, Krieg, Wiederaufbau, kalter Krieg, 1968, Frauen- und Friedensbewegung. Vera und ihre Mutter Johanna mischten sich ein und gestalteten mit. Vera Hemm will mit ihrem Buch zeigen, dass auch die so genannten „kleinen Leute" etwas bewegt haben. Sie will Mut machen, das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, wobei sie sich besonders an die Frauen wendet.
Johanna Hemm (1901 - 1971) war Näherin, Betriebsrätin, hauptamtliche Gewerkschaftssekretärin und kommunistische Stadträtin, die darum kämpfte, die harten Lebensbedingungen ihrer MitbürgerInnen zu verbessern. Als Kommunistin eckte sie zwar in der katholischen Kleinstadt und auch in ihrer Gewerkschaft immer wieder an. Im Grunde war sie aber wegen ihrer integren Persönlichkeit doch überall anerkannt: So heißt es immer wieder: „Sie ist schon in Ordnung, schade, dass sie Kommunistin ist".
Tochter Vera (geb. 1935) tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Nach dem Abitur wird sie Chemielaborantin, aktive Gewerkschafterin, Betriebsrätin, Kommunistin. Sie wird über die erste Frauenliste in den Betriebsrat gewählt, ist Gründungsmitglied von Pro Familia, unterstützt die Einrichtung eines Frauenhauses. Als Mitglied der gewerkschaftlichen Frauenkulturgruppe „Menschen zufällig weiblich" schreibt sie Texte und spielt viele verschiedene Rollen. In „Deutschlands
letztem Zipfele" ist Vera Hemm eine emanzipierte Frau, die auch privat selbstbestimmt lebt.
Diese Buch verbindet persönliche Geschichte mit Zeitgeschichte. Man erlebt, wie die großen politischen Ereignisse in der kleinen Stadt am „Rande der Geschichte" auswirken. Bodenständig, mit zupackendem Humor, aber auch mit gründlicher Recherche lässt Vera Hemm Konstanzer Alltagsgeschichte lebendig werden. Ein Buch für „kleine Leute", Gewerkschafter, Konstanzer, Historiker, Frauen - kurz für Menschen, die sich interessieren und engagieren.
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