Ups! das ist ja gar nicht DIE neue Vargas", dachte ich, als ich das Buch in der Buchhandlung sah, und war zunächst auch etwas sauer. Aber die Neugier trieb mich, ich habe es trotzdem gekauft - und nicht bereut. Dann sah ich, es stammt aus dem Jahr 2000, da hatte die Autorin sich diesen schwierigen und faszinierenden Kommissar Adamsberg gerade erst ausgedacht (klar, ich habe alle ihre Romane in chronologischer Reihenfolge im Regal stehen!). Und je mehr man sich einliest in diesen klasse Krimi und auch verführen lässt von den ungewöhnlich aussagestarken Zeichnungen von Baudoin, desto mehr gewinnt man den Eindruck: Hier haben zwei Leute, schreibend die eine, zeichnend der andere, sich einen riesigen Spaß gemacht und offensichtlich von vornherein gemeinsam produziert. Denn das ist nicht bloß illustriert von ..." oder MIT Zeichnungen von ...", wie auf dem Cover steht. Nein, das sieht so aus, als habe Fred Vargas dem Zeichner ihre Geschichte buchstäblich in den Pinsel geschrieben, so was Großartiges, Dramatisches, Witziges habe ich auf dem Gebiet des literarischen Krimis überhaupt noch nicht gesehen. Schade, dass der Verlag sich in seiner Ankündigung nicht deutlich genug dazu bekannt hat!
Wie stark und spannend Vargas' Plot, wie kraftvoll ihre Figuren bei aller notwendigen Einschränkung im Textteil sind - und wie hinreißend komisch manche Dialoge, das möge man ausprobieren, indem man sich die Geschichte vorlesen lässt!
Übrigens fange ich jetzt auch an, Kronkorken zu sammeln (diesen Vier-Ströme-Brunnen auf dem Hof, so was sich nur Vargas ausdenken!). Vielleicht kann ich mir wenigstens einen kleinen Adamsberg basteln fürs Bücherregal, oder auch eine Buchstütze, um mir den Widder" zum Beispiel auf Seite 84/85 aufgeschlagen hinzustellen.