... so nennt Dag Hammerskjöld (1905 - 1961) sein Tagebuch.Darin enthalten sind Aphorismen, Zitate, Gedanken, Gedichte. Die ersten Eintragungen stammen aus den Jahren 1925-1930. Die Beiträge sind unregelmässig vorgenommen worden, teilweise in englischer oder französischer Sprache. Die erste genaue Datierung stammt vom 7. April 1953, dem Tag, an dem Hammarskjöld zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wird. Er zitiert an diesem Tage Thomas von Kempen: "Weil sie alles Gute, das sie empfangen haben, Gott allein zuschreiben, suchen sie keine Ehre voreinander. Sie wollen nur die Ehre, die von Gott alleine kommt, wollen nichts anderes, als dass Gott in ihnen und in allen Heiligen über alles gelobt werde. Dies ist das einzige Ziel, nach dem sie streben."
Ein weiteres Beispiel vom 24.12.1956, wenige Wochen nach der Suezkrise: "Dein eigener Einsatz bewirkte das nicht, nur Gott - doch freue dich, dass Gott deinen Einsatz brauchte in seinem Werk. /Freue dich, wenn du fühlst, dass, was du tatest, 'notwendig' war, doch erkenne, dass du auch so nur ein Werkzeug warst für ihn, der durch dich ein Stückchen zu dem Ganzen fügte, das er gestaltet zu seinem Ziel./ C'est dans cette abysme que vous me decouvrez à moi-même - je suis rien, et je ne le scavois pas."
In seinem Eintrag vom 26.12.56 bezeichnet er seine Aufzeichnungen selber als Wegzeichen, und dass er womöglich mit Lesern rechnet, betont aber, dass dies nur sinnvoll ist, wenn die Worte aufrichtig sind. Die Entscheidung über eine Veröffentlichung nach seinem Tod überliess er einem ehemaligen Kollegen aus dem schwedischen Aussenministerium, Leif Belfrage.
Die Darstellung in der vorliegenden Taschenbuchausgabe (Droemer/Knauer 2005) entspricht der Darstellung in Hammarskjölds Tagebuch, d.h. jede Seite entspricht den Eintragungen einer Seite in dem ursprünglichen Manuskript. Teilweise sind Worte unterstrichen oder geblockt geschrieben. Absätze, Textanordnungen entsprechen ebenfalls soweit möglich dem Original. Fremdsprachliche Texte wurden beibehalten. Schade fand ich nur, dass dieser Ausgabe keine Zeitlinie beigefügt ist mit den wesentlichen Ereignissen aus seinen Tätigkeiten. Das erschwert die Zuordnung. Immerhin, im Vorwort sind einige Fakten aufgeführt, es fehlt aber zum Beispiel der Hinweis, dass es Hammarskjöld war, der den überkonfessionellen Meditationsraum in dem UN-Gebäude einrichten lies.
Ein Zitat aus den Jahren 1945-1949:
In jedem Augenblick wählst du dein Selbst. Aber wählst du - dich selbst? Körper und Seele haben tausend Möglichkeiten, aus denen du viele Ichs bauen kannst. Doch nur eines von Ihnen ergibt die Kongruenz zwischen dem, der wählte, und dem Gewählten. Nur eines - und du findest es erst, wenn du alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen [unterstrichen -Anmerkung des Rezensenten] hast, alles neugierige Tasten, verlockt von Staunen und Begehren, zu seicht und flüchtig, um Halt zu finden im Erlebnis des höchsten Mysteriums des Lebens: dem Wissen um das anvertraute 'Pfund', das "du" bist.
Schon früh finden sich als zentrale Themen aber auch der Opfergedanke und der Tod, Einsamkeit und das Fehlen von Freundschaft. Erst ab 1951/1952 erfolgt eine Wende, die Betonung auf 'dein Wille geschehe', seine Berufung zum Generalsekretär der Vereinten Nationen folgt wenige Monate später.
Mein Fazit: ein lesenswertes zeitgeschichtliches Dokument von einem Mann, der nicht nur durch seine Leistungen, sondern vor allem anderem durch persönliche Integrität und ethische Überzeugungen beeindruckt. Kein Realpolitiker, kein skrupelloser Machtmensch, sondern ein Mensch, der von Idealen geleitet wurde und sich dennoch durchzusetzen verstand. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!