School for Barbarians", so hieß dieses Buch in den Vereinigten Staaten. Erika Mann (1912-1969), Tochter Thomas Manns, Kabarettistin, Schriftstellerin und Journalistin, veröffentlichte es 1938. Das Buch gehört in eine kleine Reihe von Schriften über Nazideutschland, die Autoren im Exil schrieben. Im Dritten Reich waren die Bücher weitgehend unbekannt. Doch für Menschen in Deutschland war dieses Buch auch nicht geschrieben worden. Erika Mann wollte die Weltöffentlichkeit aufrütteln. Sie zeigt, wie die Nazis seit 1933 auf Familie und Schule Einfluss nahmen, mit dem Ziel, die Jugend für sich zu gewinnen. Dies belegt sie mit Zitaten aus Büchern und Zeitschriften sowie mit Aussagen von Beobachtern. Dem Leser offenbart sich ein System, das seine Kinder nur auf eins trainiert: Auf den kommenden Krieg. Auch wenn zu der Zeit, als Erika Mann dieses Buch schrieb, das Ende der NS-Zeit noch nicht abzusehen war, gewinnt man durch das Lesen den Eindruck, das alles auf ein blutiges Ende zusteuern wird. Nur in einem Punkt irrte die Autorin damals: In der Hoffnung, die Kinder mögen den Drill, das Kriegsgeschrei, die Angst eines Tages satt haben. Hier ist ein Zeitdokument entstanden, das auch heute noch den Leser gefangen nimmt, das Entsetzen und Ekel hervorruft.