Hans Conrad Zander, Journalist mit Vergangenheit als Mönch, nennt "Zehn Argumente für den Zölibat". - Dass der Zeitgeist das ehelose Leben der Priester als Zumutung einschätzt, lässt Zander unberührt. Für ihn ist der Zölibat: skandalös und abenteuerlich, erotisch und frech, natürlich und feministisch, männlich und lustig. Sogar "schlank" und glücklich mache er. Nun liest sich zwar manches, was dieser unkonventionelle Geist im Eifer vorbringt, viel zu pauschal.Anderes ist, nach 40 Jahren sexueller Befreiung, so bedenkenswert wie sein Zweifel an der erlösenden Kraft der Sexualität - für ihn "die billigste aller Lügen".
Da hier nur eins der zehn Argumente gebührenden Platz hat, sei es gewählt, wo viele am empfindlichsten sind. Der spottlustige Zander hält es für so schlagkräftig, dass er dem Kapitel einen Vordruck für Leser beigibt, die nach der Lektüre ihre anti-zölibatäre Stimme aus dem "KirchenVolksbegehren" zurück ziehen. Dass der Zölibat "schlank" machen soll, zielt bei ihm nicht auf die Taille, sondern den Geldbeutel. Für Zander setzt die heutige Kirche, sehr modern eigentlich, das "lean management" um. Wenn der Staat so unter Beamten-"Mangel" litte wie sie unter dem an Priestern, würde in der Tat alle Welt jubeln. Der zölibatäre Priester sei ein "Vomosi", ein vollmobiler Single reinsten Wassers, der oft erst mit 75 in Ruhestand gehe. Schaffte man den Zölibat Knall auf Fall ab, hätte die katholische Kirche dagegen in Kürze Verhältnisse wie im Spanien des 16. Jahrhunderts, als je der vierte Mann Kleriker wurde - ein wenig also wie in der evangelischen Kirche von heute. Die Ausbildung von 2,5 Millionen selbstverwirklichten Priestern würde mindestens 22 (weltweit: 278) Milliarden Mark kosten, dazu kämen Pensionsansprüche (520 Milliarden). Weltweite Arbeitsplatzkosten: 4300 Milliarden Mark. Natürlich sänke das Rentenalter ("Schatzi, wir wollen doch noch was vom Leben haben!"), und unvermeidlich ließen die Priester Witwen zurück, die zu versorgen wären. Alles in allem kommt Zander auf 6037 Milliarden Mark pro Priestergeneration "post Zöli". Dann wäre da noch die Apanage für eine Papstfamilie, die wegen ihres Weltrang sicher höher läge als im englischen Königshaus (1996: 122 Millionen Mark). Zander mag bei all dem der Schalk aus den Augen blitzen. Doch hat er in der Sache so Unrecht?