Obwohl ich selbst als Junge die Schreckenstein-Bände verschlungen habe und die drei ??? begeistert verfolgte, bin ich Kinder- und Jugendbuchserien gegenüber wenig aufgeschlossen. Insbesondere, wenn es mehr als 12 Bände gibt, werde ich misstrauisch. Das liegt vielleicht daran, dass ich auch heute noch der Überzeugung bin, dass die ersten Bände der beiden oben genannten Jugendbuchreihen die besten sind. Ein weiterer Grund ist das heute weit verbreitete Franchising, dass dazu führt, dass zu jeder noch so beliebten Kinderfigur Bücher erscheinen müssen, wobei die Qualität auch mal auf der Strecke bleibt.
Es war dann auch die Entscheidung meiner großen Tochter und nicht meine, dieses Buch, das die Bände 31 bis 34 der Baumhaus-Reihe umfasst, zu kaufen. (Wobei ich sie dann auch ein wenig unterstützte - die Alternative, die sie vorschlug war eine Prinzessin Lillifee CD.)
Positiv vermerken konnte ich sofort: Große Schrift, kurze Zeilen, wenig Worttrennungen und wenn, dann schon gar nicht am Seitenwechsel - geeignet zum Selbstlesen (2. Klasse) und selbst Vorlesen. Außerdem immer wieder schön gemachte Zeichnungen, die den Text ergänzen. Dann vier Bände in einem - die normalerweise zusammen als Einzelbände das 2,5-fache kosten und noch dazu eine CD mit dem Hörbuch der letzten Geschichte im Buch. Hier war ich allerdings etwas misstrauisch: Hörspiel in dem Alter? OK. Aber Hörbuch? Das hatten wir noch nicht ausprobiert.
Aber alleine schon die CD war den Kauf Wert. Unsere Kinder (4 und 7 Jahre) haben diese als erstes gehört und dann immer wieder. Die Große hat außerdem Kapitel teils selbst gelesen, das meiste habe ich aber den beiden als Abendlektüre vorgelesen. Die Sprache ist einfach aber nicht anspruchslos, die Geschichten ausnahmslos spannend, die Kapitel kurz genug als Gutenachtgeschichten, die Abbildungen immer wieder eine willkommene Abwechslung und Gelegenheit ein wenig mehr über die Geschichte zu sprechen und zwischendurch lernt man auch noch immer eine Kleinigkeit. Ich war wirklich positiv überrascht.
Wir haben uns inzwischen weitere Baumhaus-Bücher geholt und gerade im Vergleich mit den ersten 8 Bänden, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich die Autorin im Verlauf gesteigert hat. Die ersten Bände sind etwas weniger spannend, dafür meines Erachtens für kleinere Kinder aber auch noch etwas besser geeignet und auch etwas weniger lehrreich. Andererseits muss ich auch erwähnen, dass die Geschichten in diesem Band hier viel mehr Fantasy-Elemente enthalten (fliegender Teppich, Einhörner, lebendig werdende Steinwesen, fliegende Fahrräder), als die ersten Bände der Baumhaus-Reihe. So oder so behandeln sie aber kindgerechte und für Kinder (Mädchen wie Jungs) wirklich spannende Themen. Obwohl die Prämisse in allen vier Bänden die gleiche ist - Anne und Phillip müssen einen Auftrag für ihre Mentorin, die Bibliothekarin und Zauberin Morgan erledigen und damit beweisen, dass sie selbst würdig sind Magie zu verwenden - kommt es nicht zu langweiligen Wiederholungen und jede Geschichte verläuft anders. Ich werde mich nicht wundern, wenn meine Töchter in 30 Jahren bei der Erinnerung an das magische Baumhaus genauso freudig nostalgisch werden, wie ich heute, wenn ich an die von mir im ersten Satz der Rezension genannten Bücher meiner Kindheit denke.