Nach "Kind der Prophezeiung" (Belgariad 1) nun also "Der Zauber der Schlange", der zweite Teil der fünfbändigen Saga.
Das Buch gestaltet sich sehr unterhaltsam, ist flüssig zu lesen und wartet mit einer rechten Portion Humor auf, die das Ganze niemals zu ernst werden lässt und einem so manchen echten Lacher abnötigt. Die Charktere entwickeln sich gut weiter und die ganze Saga gewinnt mit diesem zweiten Band deutlich an Tiefgründigkeit hinzu. Auch Eddings Schreibstil ist hier, wenngleich immer noch stark handlungsorientiert und sehr zügig, um eine entscheidende Nuance besser, d.h. bildlicher und visueller als noch im ersten Teil. Alles in allem ein empfehlenswertes Stück Fantasy, wenn man nicht unbedingt die ganz große und ernste Epic verlangt.
Negativ zu erwähnen wäre allenfalls der strukturelle Aufbau des Romans, der simplerweise einen Handlungsort nach dem anderen, eine neue Figur nach der anderen aufreiht wie Perlen an einer Schnur (was aber nicht mehr auffällt sobald man sich ganz auf die beschriebenen Szenen und Bilder kontzentriert - trotzdem deshalb nur 4 Sterne). Am Ende des Romans kommt es zum Treffen mit der Schlangenkönigin Selmissra, die mich teilweise sehr an die unsterbliche Göttin aus Henry Rider Haggards "She" erinnert. Das könnte nun entweder schlechtes Plagiat sein, oder aber auch geniales Zitat. Diese Frage wird sich wohl erst in den folgenden Bänden klären. Auch im ersten Band gab es deutliche Erinnerungsspuren an den "Herrn der Ringe", die sich aber im zweiten Band (mit einer Ausnahme im Wald der Dryaden) nicht weiter fortgesetzt haben. Insgesamt ist die Saga eigenständiger geworden und ich neige daher dazu, die Klassiker-Zitate tatsächlich eher als Verbeugung vor den großen und prägenden Werken des Genres zu verstehen denn als puren phantasielosen Abklatsch.
Zu guter letzt überrascht das Ende des Romans noch mit einer gehörigen Portion echtem Trash in der Tradition der frühen Pulp-Magazine, wenn da nämlich Statuen mit glühenden Augen zum Leben erwachen und knirschenden Schrittes durch die Halle stampfen. Das hatte für Momente sogar was von Tomb Raider oder Indiana Jones, also purem Abenteuer. Aber auch diese Trash oder Pulp-Szenen am Ende des Romans könnten natürlich bewusster Verweis auf die Urgründe des Genres sein.
Fazit: Alles in allem sehr unterhaltsam, sehr amüsant...macht Spaß und vertreibt die Zeit.
Auf zum dritten Teil, dem "Duell der Magier".