Schwimmer in der Wüste: Auf der Suche nach der Oase ZarzuraWas unter dem "anderen" Ägypten beispielsweise verstanden werden kann, läßt sich anhand der Bücher von L.Almasy und des Reisetagebuches von R.Bermann, alias A. Höllriegel, nachvollziehen. Ein Bereich, der vor 80 Jahren ein weißer Fleck auf der Ägyptenkarte war, wenngleich ihn schon im 19. Jahrhundert der deutsche Arzt und Forscher G. Rohlfs durchquert hatte. Zarzura, die Oase der kleinen Vögel, erlaubt vorerst einmal keine Vorstellung, worum es in dem Buch geht. Nämlich um Suche und Entdeckung jener Stellen im Gebirge Gilf Kebir im äußersten SW-Eck Ägyptens nahe den Grenzen zu Libyen und Sudan, wo der mündlichen Überlieferung nach einzelne Wadis sein sollen, die Vegetation und auch Wasser aufweisen und von den Wüstenbewohnern der Tubu mitunter aufgesucht wurden. Das Ringen um die Auffindung um die genannten Plätze wird in dem Buch beschrieben. Die Grundlage dafür lieferten die Aufzeichnungen des Expeditionsleiters Almasy sowie des ihn begleitenden Journalisten und Schriftstellers R.A. Bermann, alias A. Höllriegel. Das eigentliche Geheimnis, das hier entschlüsselt werden soll, bilden allerdings urgeschichtliche Höhlenmalereien, die an verschiedenen Stellen im Gilf Kebir erhalten geblieben sind und denen alle Aufmerksamkeit Almasys und seines Teams galt. Unter anderem auch Darstellungen von Menschen, die Schwimmbewegungen auszuführen schienen und die Frage aktualisierten, aus welcher Zeit diese Bilder stammten. Die wissenschaftliche Bedeutung wurde schon richtig eingeschätzt, wenngleich es Jahrzehnte später erst möglich werden sollte, sie in Zusammenhang mit einer frühen Kunst des Saharagürtels bringen zu können, die sich durch bildliche Zeugnisse ab dem 6./5. Jahrtausend v.Chr. (vielleicht sogar noch früher?) definiert läßt. Welche Strapazen Almasy und die Mitglieder seiner Expedition auf sich nehmen mußten, bis sie vor den Höhlen mit den Darstellungen standen, wird Zug um Zug, Tag um Tag beschrieben. Davon abgesehen: Auch die Erstellung von geographischen Karten war eine der Aufgaben, die sich dem Team stellte, das (ohne heute selbstverständliches GPS) unterwegs war und Standortbestimmungen bisweilen unter großen Mühen und Schwierigkeiten vornehmen mußte. Der Leser, der für die Probleme eines solchen Wüstenunternehmens Verständnis hat, wird das Buch Seite um Seite "verschlingen". Angereichert durch Bilder fällt die Lektüre noch leichter. Leider fehlen ab Seite 191 die Bildunterschriften - anders als im 1. Teil des Buches. Nicht immer sind sie zwar notwendig, aber es wäre kein Fehler gewesen, die SW-Bilder zu kommentieren, was seitens der Herausgeber gemacht hätte werden können.
Um es zusammenfassend zu sagen: Das andere Ägypten mit seinen Wüstengeheimnissen wird plastisch vor Augen geführt und regt zum Aufbruch an: Dorthin, wo der Tourismus noch nicht Verbreitung gefunden hat.