Die Darmstadt-Krimis von Michael Kibler sind wie guter Apfelwein, die bemüht "spritzige" Sprache des Erzählers jedoch trübt den Genuss. Der Vergleich erscheint erzwungen und schief? Damit bin ich mitten im Thema:
Selbst wenn die Charaktere zuweilen nur knapp am Klischee vorbei gezeichnet sind, Hauptkommissarin Margot Hesgart und ihr Kollege Horndeich stehen dem Leser bald so sympathisch und lebendig vor Augen, dass es kaum verwunderlich erschiene, sie beim nächsten Kneipenbesuch in Darmstadt leibhaftig am Nebentisch zu entdecken. Interessiert und fasziniert folgt besonders der ortskundige Leser dem Erzähler an die Schauplätze der Handlung und genießt den wohligen Schauer des Wiedererkennens. Der Plot der Geschichte ist klug konstruiert, der Spannungsbogen gekonnt gespannt.
Und doch kostet das "aber" in meiner Bewertung einen Stern: die "spritzige, fassbare Sprache" und der "durchgängig präsente Humor", die das Darmstädter Echo loben, sind für mich nicht immer diesseits der Grenze des Erträglichen: Fast auf jeder Seite gefährden "humorvolle" Formulierungen und überflüssige Vergleiche die Lust am Weiterlesen: "Horndeichs Blick wanderte zu den beiden Aktenstapeln auf dem Schreibtisch der Vorgesetzten; sie riefen in ihm eine vage Assoziation mit den Petrona-Twin-Towers im malayischen Kuala Lumpur hervor ..." (S. 18). - Warum kann der Stapel nicht einfach hoch sein? Die "Wanderung durchs Büro ... wurde erneut akustisch vom Brummen seines Magens untermalt" (S.23). - Warum kann er nicht einfach hungrig sein? Warum muss die Parkplatzsuche mit dem spaßigen Hinweis kommentiert werden, "Mit einem Wettspiel >Die Parkplatzlotterie< hätte das Darmstädter Privatradio locker der kommerziellen Konkurrenz von HR3 und Radio FFH den Rang ablaufen können." (S.226). Dies sind nur wenige Beispiele für die zahlreichen überflüssigen Spritzer, die den guten Tropfen viel eher verwässern als spritzig machen und die der Autor meines Erachtens nicht nötig hat - denn die Geschichten, die er zu erzählen hat, sind wirklich gut.