Iwan VI. ist vielleicht einer der traurigsten Herrscher aller Zeiten.
Geboren am 23. August 1740 wird er russischer Kaiser am 28. Oktober 1740 und bereits am 7. Dezember 1741 abgesetzt. Er verbringt seine restliche Lebenszeit in Gefangenschaft und wird am 16. Juli 1764 in der Festung Schlüsselburg ermordet.
Sein Leben und seiner Herrschaft sind meist nur Seitenaspekte in den Biographien über die Kaiserinnen Anna Iwanowna, Elisabeth I. oder Katharinas der Großen und des Kaiser Peter III. Er muss leiden und streben nicht für das,was er getan hatte, sondern für was er war oder besser für was er hatte: kaiserliches Blut. Er war für die Herrschenden immer nur ein möglicher Rivale, den die Opposition wieder auf den Thron hätte setzen können. Da die Regime der Kaiserinnen und Peter III. immer anfechtbar waren und als illegtim betrachtet werden konnten, hätte er für Putschisten die ideale Legitimität darstellen können. Iwan VI. war ein Spielball in den unsicheren Zeiten und Verhältnissen der Romanow-Dynastie. Sein kaiserliches Blut war für ihn ein Fluch, ein im Endeffekt tödlicher Fluch.
Detlef Jena beschreibt mit großer Kenntnis und Sachverstand, aber machmal zu detailliert und etwas verwirrend, die politische Situation, in der der Iwan VI. sein Leben verbringen musste und dessen Opfer er wurde. Der Kampf um den russischen Thron im 18. Jahrhundert wird hier klar und deutlich beschrieben.
Endlich wurde mal ein Buch Iwan VI. gewidmet und er nicht zur blossen Fußnote degradiert. Ich habe dies Buch mit großem Interesse gelesen.