..... ist es noch lange nicht dasselbe. Dieser Spruch drängt sich einem unwillkürlich zu Beginn des Konzertes auf. Aber Söhne großer Väter haben es immer schwer, werden sie doch ein Leben lang an diesen gemessen. Daher ist es natürlich ein bisschen gemein und ungerecht diesen Vergleich zu ziehen, aber nachdem Mutter Gail und der Zappa Family Trust sich offenbar vorgenommen haben, sämtliche Aktivitäten Dritter mit Frank Zappa's Musik zu unterbinden, muss das leider erlaubt sein. Dweezil Zappa ist sicher ein hervorragender Gitarrist (womöglich technisch besser als Daddy) aber Musik (und ganz besonders FZs), wird auch von starken Persönlichkeiten mitgestaltet. Und so hat man zu Anfang das Gefühl, dass irgendwelche studierten Berklee-Klone diese Musik, die soviel Spass und Anarchie beinhaltet, zwar technisch perfekt aber ohne persönliche Beteiligung 'runterspielen. Laaaangweilig! (Ein EIndruck, den ich auch bisher von den Youtube-Videos hatte, die ich bislang von Dweezil & Co gesehen habe.) Ich habe Frank Zappa mehrmals live erlebt, und mir nur die letzten beiden Touren erspart, weil seine Gitarrensoli immer länger und nerviger wurden. Wenn ich natürlich geahnt hätte, dass der Mann so früh von uns geht....Damit versucht Dweezil auch zum Glück nicht zu konkurieren. Seine Solo Aktivitäten halten sich in Grenzen, er lässt seinen Mitspielern viel Raum. Nein - Ego Probleme scheint der Mann nicht zu haben. Einzig und allein Napoleon Murphy Brock, (Lead Vocals, Sax und Flute) Zappa Urgestein und der mit Abstand älteste Herr auf der Bühne bringt den Geist des Originals von Anfang bis Ende rüber. Künstlerisch, aber auch physisch eine unglaubliche Leistung! Respekt! Ab der 7. Nummer (Pound for a brown) beginnt das Bild sich allmählich zu wandeln. Die jungen Musiker bringen sich endlich ein. (Herausragend, und von da an immer besser werdend: Scheila Gonzales (Sax , Flute, Keyboards + Vocals!, aber auch Percussionist Billy Hulting und Bassist Pete Griffin sind nun lockerer und mit mehr Spass bei der Sache. Aaron Arntz (Keys + Trumpet) und Jamie W. Klime (Guitar) halten sich weiterhin zurück, leisten aber hervorragende Arbeit. Aufgrund der "multiinstrumentalen" Fähigkeiten der Akteure kommen auch BigBandnummern ziemlich authentisch. Generell ist bei den Arrangements ganze Arbeit geleistet worden. Einzig Drummer Joe Travers (im Mike Portnoy Outfit, er wird seine Gründe haben...) kann mich bis zum Ende nicht überzeugen, technisch, wie gesagt, nix zu bemängeln, aber der Funke will nicht überspringen, Feuer und kontrollierter Irrsinn - Fehlanzeige!) Spätestens, wenn gegen Ende des 1. Sets Ex FZ Drummer Terry Bozzio als Stargast (mit dem Kampfpanzer Leopard II unter den Schlagzeugen, waffenscheinpflichtig wäre noch untertrieben) auftritt, bekommt man eine Ahnung wie ein Drummer für Zappa-Musik rüberzukommen hat. Leider bleibt Mr Bozzio von da an nicht dabei und verschwindet nach 5 Nummern, (wir sind inzwischen auf DVD Nr 2) wieder von der Bühne, aber dafür betritt Ausnahmegitarrist Steve Vai mit "Black Page#2" die Bühne, der ebenfalls jahrelang mit Frank zugange war. (Man achte auch hier auf die Persönlichkeit!) Steve Vai hält sich aber lange Zeit vornehm im Hintergrund, erst nach 6 Stücken, in "Zombie Woof", zeigt er mit einem Gitarrensolo, wieso er zu den massgeblichen Rock Gitarristen der Gegenwart gehört. (Ich finde übrigens seine Solo CDs, auch kompositorisch, ausserordentlich anhörenswert. Gute Instrumentalisten überzeugen ja leider selten mit ihren eigenen Werken...) Napoleon Murphy Brock scheint bei diesem Stück übrigens dem Geist von Screamin' Jay Hawkins kurzzeitig erlaubt zu haben in sich einzufahren, um der Bühne einen posthumen Besuch abzustatten.
Anschließend verlässt Mr. Vai die Bühne wieder und es wird (nennen wir's mal freundlich) besinnlicher.
Zur Zugabe sind alle wieder auf der Bühne. Und es gibt sogar noch ein Schlagzeugsolo von Terry Bozzio. Gefolgt von einer "Battle of the Drums" mit Joe Travers. (Tapfer!)
Fazit: Diese DVD enthält viiiiieeeeel Musik zum erstaunlich kleinen Preis. Die Song-Auswahl ist (für meinen persönlichen Geschmack) nahezu perfekt, Bild, Schnitt und Sound (Habe allerdings nur Stereo gehört) kann man besser nicht machen und von daher halte ich die Höchstwertung für ehrlich verdient.
Natürlich sollte man jedem Neueinsteiger, FZ's "Baby Snakes" DVD ans Herz legen (Schon allein wegen des Terry Bozzio Vergleichs bei "Punky's Whips" mit 20 Jahren Zwischenraum) aber auch natürlich "The Dubroom Special" und "Does Humor belong in Music?" um den Geist des Originals wenigstens erspüren zu können, auch wenn Bild und Tonqualität natürlich mit dieser Veröffentlichung nicht mithalten können.