Unsere Welt scheint oft gespalten zu sein, zwischen Verehrern der Natur- und Geisteswissenschaften. Während die einen neueste physikalischen Entdeckungen und Theorien diskutieren, unterhalten sich andere über große Philosophen, Finanzen oder gesellschaftliche Themen. Doch oft fehlt das Verständnis für die Gegenseite, gerade wenn man nicht versteht wofür all diese Formeln und Berechnungen eigentlich gut sein sollen. Universitätsprofessor Dr. Rudolf Taschner hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, da gewissermaßen einen interkulturellen populärwissenschaftlichen Beitrag zu leisten und sein Fachgebiet als Mathematiker und dessen große Errungenschaften auch dem weniger gut informierten und dennoch interessierten Leser näher zu bringen.
Mathematik kann faszinierend sein, auch wenn man an einem langjährig kultivierten Zahlen-Trauma leiden mag. So verzichtet "Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung?" auf großartige Formeln und versteht sich weniger als Physikbuch, sondern mehr als grober Einblick für eine Lesergruppe jenseits der Experten und üblichen interessierten Laien. Mit Hilfe von Zahlen lässt sich heute fast alles berechnen und damit sogar Katastrophen erkennen oder abwenden, Asteroidenflugbahnen sind etwa nur ein Beispiel dafür. Beginnend mit einer grundlegenden Einführung in die Bedeutung moderner Mathematik, die uns große technologische Errungenschaften ermöglicht hat, erlaubt der Autor auch einen Rückblick in die Wissenschaftsgeschichte. Beginnend mit der Erstellung der ersten Kalender und Zeiteinheiten durch die ersten Hochkulturen beweist Taschner, dass es keine Außerirdischen Erich von Dänikens gebraucht hat, um präzise Zeitbestimmungen zu entwickeln, alles was man brauchte waren begabte Mathematiker und Aufzeichnungen, welche auch heute noch immer wieder für wissenschaftliche Durchbrüche sorgen.
Umso interessanter sind dabei Taschners Ausführungen zum Zufall, der eigentlich nur aus Wahrscheinlichkeiten besteht und hochgerechnet gar nicht so selten ist. Er erbringt dabei überraschende rechnerische Nachweise und erläutert die Probleme bei der Aussagekraft von Statistiken. Welche zumindest auf der gleichen Anzahl von Testpersonen basieren sollten, um hier überhaupt aussagekräftiges Material zu erhalten.
Dem interessierten Laien mag vieles davon sicher schon bekannt vorkommen, doch für den bisher durch Erlebnisse der Schulzeit traumatisierten oder zum Desinteresse verdammten Leser kann Rudolf Taschners Buch durchaus eine interessante und relativ einsteigerfreundliche Möglichkeit zum Kennenlernen der Faszination Mathematik bieten. "Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung?" liefert dabei Denkanstösse die es wert sind sich damit zu beschäftigen und klärt auch auf, wie zum Beispiel über die Funktion von Wahrscheinlichkeiten, wobei er sich einer sehr verständlichen Sprache bedient. In Anlehnung an Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt", welcher auch passenderweise das Vorwort verfasst hat gehört "Zahl Zeit Zufall" eindeutig zu jener Reihe jüngere Publikationen, die sich gezielt an fachfremdes Publikum wendet, um für ein Thema Interesse zu schaffen bzw. Bewusstsein über die bisherigen und auch philosophisch interessanten Erkenntnisse zu schaffen.
Fazit:
Für relative Neulinge und sonst physikalisch bisher weniger Interessierte ein angenehmer Einstieg in dieses an sich faszinierende Thema.