Kurzbeschreibung
Dieser Band enthält ausgewählte Werke von Slawomir Mrozek aus den achtziger und den beginnenden neunziger Jahren, darunter viele, die erstmals in deutscher Sprache erscheinen. Eine Ausnahme bildet das bereits 1962 entstandene Stück "Zabawa", das der vorliegenden Auswahl als eine Art Motto dient. Das Wort "zabawa" ist nicht leicht ins Deutsche übersetzbar. Seine Konnotationen schließen ein: Spiel, Unterhaltung, Kurzweil, angenehmer Zeitvertreib, aber auch: Volksfest mit Tanz oder andere Formen der Belustigung. Bei Mrozek freilich geht es um "etwas, was fehlt": undefinierbarer Rest, die Essenz des allgemeinen Frusts, die trivialste Empfindung der Entfremdung. Das Wort "zabawa" scheint ein passender Titel für die satirischen Entwürfe dieses sarkastischen Zeitdiagnostikers.
Slawomir Mrozek begann 1950 in Polen zu schreiben; die in dieser Epoche entstandenen Kurzgeschichten bleiben in der Breite der satirischen Sicht auf die Zeit des nach Europa importierten Stalinismus unübertroffen. Jetzt, nach dessen Zusammenbruch, hat sich sein satirischer Blick von den aufklärerischen Aufgaben der früheren Zeit befreit und funktioniert als satirische Sensibilität, die auf alle Phänomene des Lebens anwendbar ist.
Über den Autor
Karl Dedecius, 1921 in Lodz geboren, gilt als bedeutendster Mittler polnischer Literatur und Kultur in Deutschland. Als Übersetzer Hunderter Bücher, Autor zahlloser Reden und Aufsätze, Herausgeber der ›Polnischen Bibliothek‹, Gründer des Deutschen Poleninstituts in Darmstadt wurde er vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1990 und dem Orden des Weißen Adlers 1999 in Polen. Er lebt in Frankfurt am Main.