"Klaus Nomis Unfinished Opera" ist der Untertitel dieser relativ dubiosen Resteverwertung. Leider starb Klaus Nomi am 6. August 1983, was ihm die Chance nahm, ein drittes Studioalbum aufzunehmen, das sicherlich wieder fantastisch geworden wäre. Eine Pop-Rock-Oper hätte es werden sollen, und die Aufnahmen schienen erst am Anfang gestanden zu haben. Denn eigentlich war noch nicht ein einziges Stück fertig, und selbst Gesangsspuren existierten kaum. Zwar gab es Aufnahmen, aber irgendwas gibts da ja immer, z.B. Gesangsübungen zum Aufwärmen vor dem Auftritt. Solche mehr oder weniger dubiosen Gesänge wurden jetzt in Songs gepackt, mit deren Erstellung Klaus Nomi selbst nichts mehr zu tun hatte.Vielleicht wäre die dritte Platte musikalisch in diese Richtung gegangen, vielleicht aber auch nicht. Denn inzwischen waren ja über 20 Jahre seit seinem Tod vergangen, und Hörgewohnheiten ändern sich; davon kann sich kein noch lebender Musiker freimachen. Musikalisch klingt die Platte jedenfalls nicht gerade Nomi-typisch. Aber das wäre ja noch zu verschmerzen gewesen, das grandiose an Nomi-Aufnahmen war ja immer die glasklare Stimme. Anscheinend waren aber die verbliebenen Vocalaufnahmen von Nomi so dumpf oder rauschend, dass keine andere Möglichkeit blieb, als sie total in den Hintergrund zu mischen. Im Booklet wird auch behauptet, Klaus singt hier in Englisch, Deutsch; Französisch und Italienisch sowie in seiner eigens erdachten "Nomi Language". Leider hört man nur in den wenigsten Fällen überhaupt Text, meist kommt der Gesang über LaLaLa-Geträller oder Ah-HahAAAA nicht hinaus-dies natürlich in gesanglich fantastischer Leistung, aber schlechter Aufnahme. Trotz Verwertung aller erdenklichen, noch so minimalen Reste kommt die Platte nur auf eine gute halbe Stunde, davon 2 Live-Tracks,die Klaus immerhin selbst gekannt und zu Lebzeiten so aufgenommen hat.Der Rest wurde von George Elliott und Page Wood nachträglich zur Stimme geschrieben. Keine Ahnung wer das ist, an früheren Studioalben von Nomi haben sie jedenfalls nicht mitgewirkt. Sie haben auch keinen schlechten Job gemacht-die Platte ist prinzipiell nicht schlecht. Nur hat sie leider höchstens zu 10 % etwas mit Nomi zu tun. Außerdem hätte es noch anderes zu Lebzeiten erstelltes Material gegeben, z.B. Single-B-Seiten, die es noch auf kein Album geschafft haben. Die hätte man als Zugeständnis wenigstens noch mit veröffentlichen können. Naja, vielleicht kommt dann noch was zum 50. Todestag.