Ich werfe als (bislang) dritter im Bunde (bislang) auch eine Rezi zu "A tribute from friends" in den Ring. Um das Positive vorweg zu nehmen: die Platte ist unterhaltsam! Man hört gerne von vorne bis hinten durch, bleibt dran. Man weiß aber auch, was man bekommt, und es gibt m. E. nur eine Überraschung, die die Gemüter spalten dürfte (siehe auch andere Rezis).
Ich nehme vor weiteren Ausführungen die Frage auf, was ein Tribute-Album ist bzw. leisten soll? Das 'Nachspielen' von Klassikern durch andere Leute? Das Interpretieren von Songs in den Genres und Stilen der Künstler, die sich versuchen? Der Versuch, Altbekanntem etwas Neues, vielleicht sogar den Hörer Forderndes einzuhauchen?
Hier mögen die Meinungen auseinander gehen, ich persönlich bin ein Freund des letzteren Ansatzes, denn ich lasse mich gerne überraschen - schon weil es zeigen kann, was in einer Komposition oder einen Lied als soclhem steckt. Wenn ich dies als Maßstab an "A tribute from friends" anlege, bleibt allerdings wenig übrig, was wirklich mal die Augenbraue zucken lässt. Das muss nicht schlecht sein, aber ich würde dieses Tribute-Album eher mit "konservativ" umschreiben.
Vor diesem Hintergrund ist m. E. Wyclef Jeans "Rough Boy" tatsächlich die gewagteste Interpretation: der Mann verpasst dem Titel ein reggae-esques, elektronisches Gewand! Sehr gechillt, aber es 'verrät' die Seele des Titels nicht. Puristen und Haareschüttler wird es jedoch grausen... Dennoch: DAS ist die einzige Version/Interpretation auf der Scheibe, die tatsächlich "Eier" hat, mal was zu wagen. Der Rest bleibt der Gitarre verhaftet - alles nicht schlecht gemacht, aber kaum überraschend, teils sogar langweilig nah am Vorbild. Selbst die Intonation des Gesang-Parts ähnelt dem Original dann sehr, na ja.
Insofern schließe ich mich der Meinung des Rezensenten 'Cheswick' an: die ersten drei Titel gehen gut. Der Opener "Sharp dressed man" rockt gut - allerdings nur, weil das Original Dampf hat und die All-Star-Kombo sich ehrlicherweise musikalisch nicht weit davon wegtraut. Filters "Gimme all your lovin'" verwundert zunächst, weil es wie um einen Halbton falsch gespielt anfängt, um sich später zu fangen und gut durchzurocken - m.E. das beste 'normale' Cover auf dem Album, weil es den Klassiker in die Neuzeit rettet und es der Truppe gelingt, ihm musikalisch einen echten Neuanstrich zu verpassen.
Nummer drei, "Tush", von Grace Potter, hat durch die weiblichen Lead Vocals etwas sehr Eigenes, Authentisches. 'With a twist' würde der Brite sagen.
Danach wird es für meinen Geschmack eher mittelmäßig. Zwar allesamt Stücke mit Dampf (etwa von Nickelback oder Wolfmother) - wobei die Stücke nicht schlecht sind, aber es ist viel von derselben Soße und fast alles eben sehr nah am Vorbild. Nur Wyclef Jean spaltet später die Nation bzw. reißt den Hörer aus der Gitarrenlethargie. Und zeigt, dass man aus dem einfachen Blues-Rock aus Texas durchaus etwas Neues rausholen kann.
Ferner verwunderlich (oder frech?): nach einer Dreiviertelstunde ist alles vorbei, das war's! Ob da nicht mehr und Besseres zusammen gekommen ist, oder die Platte ursprünglich für Vinyl-VÖ-gedacht war?
Ich gebe dem Werk wohlwollende drei Sterne. Man wird durchweg gut unterhalten, und den Zwang, "Skip" zu drücken hatte ich nicht. Wer die Originale von ZZ Top mag und den seit 100 Jahren eingefahrenen Stil der Band, kommt hiermit gut zurecht. Wer einen bunten Strauß an Innovation und künstlerischem Freigeist erhofft, dem muss Wyclef Jean genügen.
Und wem's insgesamt nicht gefällt: "ZZ Top - A tribute from friends" ist ja schnell vorbei! ^^