Ein interessantes und schön aufbereitetes Buch, was sich jedoch in erster Linie an den interessierten Laien richten dürfte, zumal die meisten Artikel nicht wirklich neu sind, sondern lediglich für diesen Band zusammengestellt wurden.
Ungewöhnlich ist, dass sich über die Hälfte des Buches mit dem Menschen beschäftigt.
Zahlreiche Artikel wurden von namhaften Experten verfasst, z. B. "Die Evolution der Organismen oder die Frage nach dem Warum" von Ernst Mayr (29) oder "Warum gibt es Menschen?" von Richard Dawkins (119), worin dieser noch einmal erläutert, warum seine Theorie der egoistischen Gene auch den Altruismus erklärt (was sie jedoch nicht wirklich tut).
Interessant fand ich, dass sich Mayr in seinem Artikel auch kurz zur Evolution der Technik äußert und dabei einen ganz ähnlichen Gedanken hervorbringt, wie ihn Mersch in
Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem systematisiert hat.
"In der tumbe Kannibale" stellt Henning Engeln (184) den Pekingmenschen als grunzenden und dickschädeligen Aasfresser dar.
Äußerst lesenswert ist der Beitrag "Einfallsreiches Werben - der Ursprung menschlicher Kreativität" von Geoffrey F. Miller (237). Miller gehört zu den wenigen namhaften Evolutionsbiologen, die sich ernsthaft dem Thema Sexualität, sexuelle Selektion und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die weitere evolutionäre Entwicklung gewidmet haben.
Interessant fand ich auch "Partnerwahl - Von wegen innere Werte" von Ivo Marusczyk (259), in welchem dieser darlegt, dass auch nach mehr als 10.000 Jahren Kultur bei der Partnerwahl primär auf Äußerlichkeiten Wert gelegt wird (speziell Männer tun dies).
Marusczyk vergleicht dabei zwei unterschiedliche Theorien. Theorie A behauptet, gleich und gleich gesellt sich gleich, während Theorie B der Auffassung ist, dass jeder nach dem möglichst attraktiven Partner strebt. Allerdings schätzen die meisten Personen ihren Marktwert realistisch ein. Um nicht andauernd Körbe zu bekommen, ist man schließlich auch mit weniger attraktiven Partnern zufrieden.
Auffällig die unterschiedlichen Partnerwahlstrategien bei Frauen und Männern. Männer scheinen deutlich weniger wählerisch zu sein als Frauen. In Vergleichsuntersuchungen konnten sie sich eine Paarung mit deutlich mehr Partnern vorstellen als Frauen. Bei Frauen war sogar festzustellen, dass diese mit sinkendem BMI (Body Mass Index, d.h. mit zunehmender Schlankheit) immer wählerischer wurden. Allerdings wurden in den zitierten Untersuchungen nur das Partnerwahlverhalten bei kurzzeitigen Paarungen untersucht. Andere Untersuchungen konnten zeigen, dass sich bei langfristigen Bindungen auch Männer im Allgemeinen sehr selektiv verhalten.