Das Buch habe ich anlässlich des Todes von F-J. Degenhardt gekauft und gelesen. Degenhardt war aufgrund seiner Lieder lange Zeit mein politisches Idol.
Insofern war die Lektüre sehr aufschlussreich.
Das Buch ist stilistisch gut geschrieben.
Aber inhaltlich bin ich doch sehr desillusioniert. Wer behauptet, Zündschnüre wäre eine Art "Tom Sawer", irrt gewaltig. Während Tom Sawer ein liebenswerter, mit üblichen Fehlern behafteter Junge ist, sind die männlichen jugendlichen Helden F.J-Degenhardts allesamt ohne Furcht und Tadel - Gefühle wie übliche Menschen haben sie nicht. Sie weinen nicht, sie haben keine Angst, keine Zweifel, sie sind nie schwach - vor allem der Held der Geschichte - Fänä nicht. Dementsprechend sind sie auch oft ganz schön brutal. Dass sie links bzw. kommunistisch sind, scheint mir danach eher zufällig, sie hätten genausogut ganz rechts sein können.
Bezüglich Emotionen wird das besonders deutlich an einem amerikanischen geflohenen Kriegsgefangenen. Ich zitiere: "Einmal sang der Amerikaner nachts und weinte anschließend, und als er am nächsten Tag wieder abgeholt wurde, war Fänä nicht traurig drum." (S.161)
Gut, sie konnten nichts dafür, dass sie so waren, das lag an der rigiden Erziehung damals. Es wundert aber nicht, dass die 68-iger zwar eine Befreiung von Konventionen, aber keine wirkliche bessere Gesellschaft erreicht haben - sie hatten wohl schlichtweg keine Vorstellung davon.