Konrad Zündel, vorbildlicher schweizer Lehrer, mustergültiger Ehemann, Steuerzahler und regelrechter Verkehrsteilnehmer, will in den Urlaub fahren, als ihm ein Schneidezahn verloren geht. So entstellt, entscheidet er, kann man keinen Urlaub antreten und kehrt nach Hause zurück. Doch irgendwie ist von da ab nichts mehr wie bisher; seine Frau, alles andere als begeistert über die Rückkehr, verlässt nach einer unerquicklichen Beziehungsdiskussion das Haus. Der entgeisterte Zündel reist erneut alleine los, nur, einen Urlaub kann man das Folgende nicht nennen. Er irrt von Hotel zu Hotel, denkt über sein bisheriges Leben nach, das angepasste, langweilige, allen Erwartungen anderer immer gerecht werdende Leben des Konrad Zündel, ein Leben, so scheint es ihm, als immerwährender Verlierer, als Gedemütigter und ewiges Opfer. Das soll sich ändern. Eine Waffe muss her!
Auch wenn die Beschreibung es nicht vermuten lässt: Markus Werner gelingt es, diesem keinesfalls neuen Thema ein spannungsreiches, hoch interessantes und humorvolles (!) Buch abzugewinnen. Man liest es gerne, schnell und in der stärkerwerdenden Hoffnung, es möge sich alles "zum Guten wenden". Man spürt jedoch: Es kann hier kein Happy-End geben (und der Titel lässt hier auch keinen Raum für diesbezügliche Wünsche).
So ist der lange Abgang des Konrad Zündel eine turbulente, fast surreale Reise mit skurrilen Begegnungen, mit aphorismenhaften Erkenntnissen (die besonders dem männlichen Leser aus der Seele sprechen?) und herrlichen Dialogen.
Mein ewiges Dilemma: Kann man diesem kurzen Roman genauso fünf Sterne geben, wie z.B. den "Buddenbrooks"? Ich zögere lange und gebe dann doch "nur" die stärksten vier Sterne meiner bisherigen Rezensionen.
Eine klare Leseempfehlung!