Dieser Film war 1980 David Hamiltons zweiter Welterfolg, nach Bilitis 1976. Die 15jährige Anja Schüte, schon vorher von Hamilton als Modell entdeckt, bekam die Hauptrolle. Es ist heute unveorstellbar: Anja Schüte wurde als 14jährige unter tausenden von Mädchen, die sich mit ihren Eltern meldeten, ausgesucht, um erotisches Modell für seine Fotos und Filme zu werden. Tatsächlich ist "Zärtliche Cousinen" gut gemacht, aber etwas langweilig.
Man kann ihn als Zeitdokument betrachten; das war der Film, den 1980 fast jede(r) Jugendliche sehen wollte, die Mädchen die Hauptdarstellerin beneidend. Die späten 70er, als Hamilton-Poster in vielen Mädchen-Jugendzimmern hingen, hatten mit diesem Film ihren letzten Höhepunkt. Dann kamen die 80er mit ihrer fantastischen New-Wave-Popkultur, die die vorhergehende Epoche zu recht aus dem Bewußtsein verdrängten; David Hamilton war bald erstmal so out wie Disco-Musik, auch wenn er in der Ästhetik der 80er seine Spuren hinterließ.
Ton und Bild sind tatsächlich nicht besonders, denn der Film wurde nach seinem großen Erfolg erstmal für viele Jahre vergessen und offenbar nicht sorgfältig aufbewahrt. Es ist eben die Patina eines archäologischen Funds einer versunkenen Zeit, aus der nur wenige Dinge, darunter die Bilder und Filme David Hamiltons, es in dieses Jahrtausend geschafft haben. Schönheit ist zeitlos, auch wenn die gegenwärtige Prüderie der in die Jahre gekommenen 68er die Hamilton-Poster der Mädchenzimmer jener Zeit am liebsten zur "Pornografie" erklären würde. Möchte man den typischen Hamilton-Stil sehen, ist "Die Geschichte der Laura M." von 1979 den "Zärtlichen Cousinen" vorzuziehen. Trotzdem ist dieser Film alles andere als schlecht.