Trotz interessanter Reiseroute enttäuschend geschrieben. An mehreren Stellen im Buch werden geographische Gegebenheiten verfälscht, wohl um der Geschichte mehr Dramaturgie zu verleihen. Leider enttäuschend für all diejenigen, die die einzelnen beschriebenen Streckenabschnitte kennen. Der Autor scheint dadurch an Glaubwürdigkeit zu verlieren, persönlich Erlebtes kann natürlich nicht angefochten werden. Wenn aber an einer Stelle des Buches der "Mann der Wildnis" voller Verständnis für sein natürliches nordamerikanisches Umfeld großspurige Erklärungen abgibt, als Berufsjäger scheint hierfür die globale Befähigung gegeben zu sein,an anderer Stelle aber Lebensmittel im Zelt eingelagert werden (Bären???), der eigene Jagdhund frei herumläuft trotz mehrmaliger schlechter Erfahrungen, so z.B. direkt zu Beginn am Lake Laberge mit einem Elch, gewinnt der Leser den Eindruck, das doch irgendwo das ausgepriesene Verständnis für die Natur in gewissen Grenzen liegt. Schade - denn eigentlich hatte ich mir nach meinem Yukon-Abenteuer mit Freund, Kanu und Floß eine literarische Bereicherung erhofft. Anstatt dessen habe ich beim Lesen der Lektüre immer wieder mit den eigenen Beobachtungen und Erfahrungen verglichen - und wundere mich darüber, warum nicht wenigstens geographische Fakten als solche behandelt werden, so wird der Lake Laberge mal ganz nebenbei 20 km länger, und der Yukon am Ausfluß ist nur 5 Meter breit. Dramatisch vielleicht, aber das ist nicht der Yukon, den ich kennenlernen durfte. Ebensolches gilt für die Five-Finger-Rapids. Wo ist denn in der ach so dramatischen Beschreibung die für Touristen gebaute Aussichtsplattform geblieben? Wurde die erst so viel später gebaut? Dann sollen in nur zwei Wochen 1,5 Meter Eis auftauen,und ständig akuter Zeitmangel treibt den Autor immer weiter Richtung Norden, bei nur 6 Monaten Zeit für sein Vorhaben. Allerdings wundert man sich, wird doch von vielen schon der Abschnitt Whitehorse - Dawson (736 km = 1/4 der Gesamtstrecke) in zwei Wochen gemütlich erlebt. Steht schon fast im Widerspruch zur dramatisch starken Strömung, die dem Leser fortwährend geschildert wird. Alleine zum Ende hin wird diese dann schwächer. Yukon Flats und weiterer Verlauf halten weitere Überraschungen parat. Viel ist passiert, Erfahrungen wurden gesammelt in der nordamerikanischen Wildnis. Und dennoch werden Bohnen am Zelt gekocht. Der Leser bekommt den Eindruck, das sich der Berufsjäger mit seinem Gewehr ein wenig zu sicher fühlt. Außerdem widerspricht das dem großem Verständnis und Wissen für die wilden Tiere. Und die sind schließlich dort zu Hause. Schade auch das Sturheit und Leichtsinn als Heldentum und Tapferkeit ausgelegt werden. wer sich länger mit der Materie beschäftigt und selber Erfahrungen in Canada und Alaska gesammelt hat, der weiß, daß wahre "Helden" Gefahren als solche erkennen, und sich entsprechend verhalten. Auch wenn ein Gewehr dabei ist. Und Sturheit kann einem in der Wildnis sehr schnell das Leben kosten. Seine beiden Begleiter haben nicht aufgegeben und nur der Autor durchgehalten, sondern der eine hatte keinen Urlaub mehr, seine Freundin hat er verekelt, und zu guter letzt als ausgebildeter Schweißhundführer auch noch das Leben seines Hundes aufs Spiel gesetzt. Es ist halt doch ein Unterschied, ob ein verletzten Wildschwein im europäischem Wald nachgesucht wird, oder der Schweißhund einer Grizzly-Mama mit Nachwuchs hinterher jagt. Leider schmerzt so viel Verantwortungslosigkeit im Ernstfall den Hund, oder Mitreisende, nicht aber den Verantwortlichen. Wie bewundernswert läßt es den Leser unter diesen Umständen erahnen, welch wahre Leistung erbracht worden ist. Schade, denn vom Vorhaben her ein sehr interessantes und spannendes Thema, sollte es wenigstens in einigen Punkten mit z.B. anderer Literatur zum Thema übereinstimmen.