Ich habe mir das Nachtsichtgerät Yukon Night Vision Scope NV 5x60 gekauft, um nachts Tiere im Wald und im Garten zu beobachten, und zur Erweiterung der astronomischen Beobachtungsmöglichkeiten mit meinem Nachtfernglas.
Für beides ist das Gerät mit seiner fünffachen Vergrößerung und dem recht großen Objektiv sehr gut geeignet, wenn auch die Beobachtung mit nur einem Auge auf die Dauer etwas anstrengend ist; binokulare Geräte sind aber deutlich teurer. Zwischen beiden Augen zu wechseln ist nur problemlos möglich, wenn sich die Dioptrienstärke kaum unterscheidet.
Das Gerät hat eine Handschlaufe und ein Etui, ist nicht besonders schwer (ca. 650g), handlich (ca. 9x20cm), und kann für längere Beobachungen wie ein Fotoapparat auf ein Stativ montiert werden. Für Benutzer mit sehr kleinen Händen könnte längeres Halten etwas anstrengend werden. Infrarot-Röhre und zuschaltbarer -Scheinwerfer arbeiten mit Batterien (ähnlich denen für Fotokameras); es liegt eine bei, so dass man gleich loslegen kann.
Wichtig ist aber, das Gerät niemals dem Sonnenlicht oder starken Lichtquellen auszusetzen, weil dies die Infrarot-Röhre beschädigen könnte. Schon nach kurzem Blick in einen Autoscheinwerfer, den Vollmond etc. ist die Funktion für einige Zeit beeinträchtigt. Also nicht aus Neugierde gleich nach Erhalt auspacken und damit herumhantieren, bevor man die Gebrauchsanweisung gelesen hat!!! Das Gerät nur im Dunklen aus seinem Etui ziehen und die Kappe abnehmen. Vorsicht: Die Kappe verhakt sich manchmal am Etui (oder der Manteltasche) und löst sich beim Herausziehen ab, ohne dass man das bemerkt, so dass das Objektiv schutzlos ist.
Auch Temperaturschwankungen erfordern etwas Geduld, damit sich kein Kondenswasser im Gerät bildet, das zu Schäden führen könnte. Gebrauchsanweisung unbedingt beachten!
Das Bild im Infrarotspektrum ist, adaptiert für unser Auge, nicht farbig, sondern weiß/grün in vielen Schattierungen. Daran gewöhnt man sich aber schnell.
Das Scharfstellen erfolgt ähnlich umkompliziert wie bei einem Fernglas, ein wenig Dioptrienausgleich inclusive. Bei Generation-1-Röhren sind kleine schwarze Flecken im Bildfeld außerhalb des Zentrums normal; nur Profi-Geräte in weit höheren Preisklassen sind völlig fehlerfrei. Auch meins hat einen (einzigen) mittelgroßen Klecks, aber der stört nicht weiter.
Beeindruckend ist der zuschaltbare Infrarotstrahler für sehr dunkle Nächte - ein wahrer "unsichtbarer" Flutlichtscheinwerfer mit etwa 300 Metern Reichweite! Damit ist man nicht nur auf Wanderungen selbst im Stockdunklen sicher unterwegs, man kann auch z.B. die Igel im Garten oder die Rehe im Wald beobachten, ohne sie zu stören. Faszinierend ist manchmal der Anblick von Knospen und Blättern in der Nacht: Wenn ihr Stoffwechsel gerade aktiv ist und sie Wärme produzieren, leuchten sie!(Infrarotes Licht nimmt der Mensch als Wärme wahr.)
Achtung: Die Taste für den Scheinwerfer bewirkt auch etwas, wenn das Gerät ausgeschaltet ist - beim nächsten Einschalten ist er dann u.U. gleich mit aktiviert. Es gibt Kontroll-Lämpchen für beide Funktionen, die aber nur bei eingeschalteter Infrarotröhre arbeiten.
Zu astronomischen Beobachtungen braucht man den Strahler nicht; es ist auch zu empfehlen, ihn nicht in den Himmel zu richten, um Satelliten etc. nicht bei ihren Aufnahmen zu stören - manche arbeiten im Infrarotbereich, z.B. um die Gesundheit der Vegetation zu dokumentieren. Das gilt erst recht, wenn gerade die Polizei auf Hubschrauberpatrouille ist und selber dabei Nachtsichtgeräte einsetzt. (Man sollte auch niemals mit einem Laserpointer in den Himmel leuchten, das kann Flugzeugpiloten blenden und wird daher sogar strafrechtlich verfolgt!)
Der Anblick des Sternenhimmels im ins Infrarote erweiterte Spektrum ist beeindruckend, man sieht Sterne, Galaxien und Nebel wesentlich heller, und etliche Objekte, die im sichtbaren Licht gar nicht zu erkennen sind. Auch Flugzeuge sieht man selbst in weiter Entfernung klar und deutlich, inclusive Kondensschweif - allerdings meist nur als reiskornförmigen Fleck, nicht in scharfer Silhouette, weil vor allem das abgebildet wird, was warm ist: die Triebwerke.
Etwas ärgerlich finde ich, dass man in Deutschland vergeblich nach einem lieferbaren Adapter für die Montage einer Kamera für Fotos und Filmaufnahmen sucht; er ist angeblich existent. Der lieferbare von Yukon passt zwar für alle möglichen anderen Geräte der Firma, aber für dieses leider nicht, kann aber wohl durch erfahrene Bastler umgearbeitet werden (Einhänge-Öse mit anderem Durchmesser anfertigen).
Alles in allem: Mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden.
Es ist ein relativ unkompliziert zu bedienendes High-Tech-Gerät, das einem buchstäblich Augenöffner vermittelt, allerdings sehr sorgfältige Behandlung braucht, um keinen Schaden zu nehmen.