Als "Death Hunt"-"Yukon"-"Ein Mann wird zur Bestie" 1981 herauskam, war der Wild-West-Film bereits eine Filmleiche, spätestens seit 1976/77 unter der Erde, allerspätestens seit "Heavens Gate" -1981- (eigentlich kein richtiger Western, sondern ein historischer Film aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, angesiedelt im Westen der Vereinigten Staaten)für mausetot erklärt.
"Yukon" ist zeitlich mehr als zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs in Kanada angesiedelt, und in seiner Handlung wimmelt es von Automobilen, Flugzeugen und Funkgeräten. Piloten sind die Vertreter einer neuen Zeitordnung, nicht die Mountain Men, die in den eisigen Bergen groß geworden sind. Das klingt nach einem unromantischen, zweckmäßigen Abenteuerstoff. Aber die Zivilisation hielt auch im alten Westen immer Einzug, bedrängte Städte und das Land der Indianer, in unserem Film die abgelegensten Ecken des Yukon-Territoriums. Und die Trapper und Mounties, die Krämer und Huren, die atemberaubende Winterlandschaft und ihre anachronistischen Einwohner hätten auch zu Randolph Scott, Gary Cooper, Henry Fonda, Richard Widmark, James Stewart, Alan Ladd und John Wayne gepasst.
In "Death Hunt" flankieren sie Charles Bronson und Lee Marvin. Ob man die beiden im Uraufführungsjahr bereits Altstars nennen könnte, würde ich eigentlich verneinen, obwohl ihre zerfurchten Visagen und Marvins schlohweißes Haar das nahelegen. Marvin war zum Zeitpunkt der Premiere des Films seit siebzehn Jahren ein Star, seit 1964. Bronson gelang es vier Jahre später. Beide waren sie Spätentwickler; Marvin benötigte vierzehn Jahre bis zum Durchbruch, Bronson siebzehn. Trotz der ansonsten durchgehend ausgezeichneten Besetzung (auch die schöne Angie Dickinson schaut mal rein), sind die zwei Haudegen die Basis, das Rückgrat des Films. Zwei andere Schauspieler hätten sich schwer getan, die gleiche Wirkung zu erzielen.
Es geht in der Filmhandlung nicht um ein Duell zwischen Bronson und Marvin. Bronson wird von einer wilden Meute verfolgt, deren einzelne Mitglieder bei den Jägern von Peckinpahs "Wild Bunch" in der Lehre waren. Marvin und seine Mounties sind bei dieser Hetze dabei, um das Schlimmste zu verhindern, Bonson vor den verrohten und halb verrückten Hillbillies zu schützen. Doch Old Bronson ist hier der Gejagte. Das war er schonmal in "Chatos Land". Und wie auch dort, weiß er sich zu wehren. Was die Zahl seiner Jäger dezimiert und Marvin zwingt, etwas gegen ihn zu unternehmen. Das ist das Grundthema der Handlung.
Es gibt wenig, was gegen diesen Abenteuerfilm mit Westernelementen spricht. Sicher, man könnte anmerken, aus dem Sujet und der Besetzung hätte ein Sam Peckinpah, ein Robert Aldrich oder ein Don Siegel mehr herausholen können, besonders da "Yukon" an "Ein Zug für zwei Halunken" von Aldrich, an "Der letzte Scharfschütze" von Siegel und an mehrere Sam-Peckinpah-Western, ganz besonders "The Wild Bunch", erinnert, was Machart, zeitlichen Hintergrund und bestimmte Thematiken angeht. Indes saß Peter Hunt auf dem Regiestuhl, solider Fachmann ohne künstlerische Meriten, der 1969 James Bond inszeniert hatte ("Im Geheimdienst Ihrer Majestät"), 1974 Roger Moore ("Gold"), 1976 Moore und Lee Marvin ("Brüll den Teufel an"). Später sollte er Bronson samt Ehefrau führen ("Der Mordanschlag" -1987-) und "Die Wildgänse" ein zweites Mal fliegen lassen -1985-.
1981 ging "Yukon" gegen James Bond, Indiana Jones, die Chaotentruppe von "Auf dem Highway ist die Hölle los" (angeführt von Burt Reynolds, Roger Moore und Dean Martin) an den Kinokassen an den Start. Der Film war trotz seiner zeitgemäßen Brutalitäten und seiner eruptiv auftretenden Gewalt ein Anachronismus, wie auch schon ein Rezsensent vor mir bemerkt hat. Er wäre es 1970 gewesen, 1975 und ist es heutzutage ganz besonders. Was diesen Film im eher positiven Sinne zeitlos macht, ist seine manchmal aufflackernde Übergröße; einige wenige magische Momente, die es in einem Remake niemals geben würde.
Lee Marvin macht dem sich ihm vorstellenden Mountie-Rekruten klar, er könne ihn ruhig beleidigen, dürfe aber niemals Sir, Mister oder Großvater zu ihm sagen. Charles Bronson taxiert eine cholerische Bande von Trappern, die beinahe einen Hund zu Tode gequält hätte, mit seinen Katzenaugen. Der eingefallen und versoffen aussehende Lee Marvin legt am Bollerofen Patiencen. Charles Bronson versucht vor seiner Blockhütte im Freien das Vertrauen eines schlimm verstümmelten Hundes zu gewinnen. Marvin krallt sich einen der Trapper, um von ihm die Wahrheit zu erfahren und die Fährte von Bronson aufzunehmen. Bronson kauft bei einem einsamen Krämer Unmengen von Munition und erfährt dabei, wie man sich endgültig vor Juckreiz schützen kann. Marvin erklärt Angie Dickinson zerknirscht, es habe keinen Sinn, auf ihn zu warten, da er sich nie ändern würde; Dickinson erwidert, dann müsse er sie rausschmeißen.
Und in der Nacht fängt der von allen Seiten belagerte Charles Bronson in seiner verbarrikadierten Hütte an, leise, heiser und ungelenk 'My Darling Clementine' zu singen...