Amazon.de Rezension
Caylus
Burgbbau für Experten
Es gibt Spiele, die sind komplex, haben eine komplizierte Anleitung und dauern lange. Und dann gibt es Caylus. Caylus hat eine relativ einfache Regel aber sehr viele Möglichkeiten das Spiel erfolgreich zu spielen. Es gibt in jeder Runde neue Möglichkeiten seine Aktionen zu wählen und jede Aktion hat große Auswirkungen auf den Verlauf des Spiels. Wie befinden uns im Jahre 1289. König Philipp der Schöne beschließt eine neue Burg zu errichten. Noch ist Caylus ein verschlafenes Dorf am Rande seines Herrschaftsbereichs, aber das wird sich bald ändern. Sie Spieler übernehmen die Rolle von Baumeistern, die sich um die Gunst ihres Souverän streiten. Dazu bauen sie die Infrastruktur des Dorfes aus und vervollständigen die Burg. Nur wer am Ende hoch in der Gunst des Königs steht, wird als der größte Baumeister in die Geschichte eingehen.
Am Anfang gibt es wirklich nicht viel in Caylus zu sehen: Es gibt einen kleinen Händler, einen einfachen Architekten und einige Rohstoffbetriebe, die Holz, Nahrung und Tuch liefern. Mit der Zeit enstehen Wohnhäuser, weiterverarbeitende Betriebe und Prachtbauten. Der Spielplan ist in drei Bereiche eingeteilt: oben links befindet sich die Burg, oben rechts die Leiste mit den Günsten, die der König vergibt und darunter das eigentliche Dorf. Die Gebäude vor der Brücke lassen sich im Gegensatz zu den Gebäuden dahinter nicht überbauen. Stelle ich einen meiner Arbeiter auf eines der ersten Gebäude bekomme ich also immer eine feste Aktion. Die anderen Gebäude geben in der Regel einen der drei, beziehungsweise vier, Rohstoffe: Holz, Tuch, Nahrung und Gold. Gold kommt aber erst später ins Spiel und nur über die Mine. Stelle ich einen meiner Arbeiter auf ein Ertragsfeld, bekomme ich am Ende der Runde den oder die Rohstoffe. Stelle ich ihn auf einen Dienstleister, wie den Händler oder den Architekten, bekomme ich diese Aktionen. Je weiter das Spiel voranschreitet, desto ertragreicher werden die Gebäude, die ich errichten kann. Wichtig ist es immer den Vogt im Auge zu behalten. Er entscheidet darüber, welche Gebäude eine Aktion bekommen und welche nicht. Alle Gebäude, die links von ihm stehen, also näher an der Brücke sind, bekommen ihre Aktion. Alle anderen geben in der Runde keinen Ertrag. Der Seneschall entscheidet, wann das Spiel endet. Am Ende einer Runde wird er ein Feld vorwärtsbewegt, wenn er hinter dem Vogt steht und zwei, wenn er der Vogt vor ihm steht. Erreicht er das letzte Wertungsfeld, ist das Spiel zu Ende.
Schon zu Beginn habe ich 15 Möglichkeiten: Das bedeutet, Sie müssen Prioritäten setzen. Jede Aktion, also jeder Arbeiter, kostet beim Einsetzen einen Dukaten. Wenn allerdings ein Spieler passt, erhöht sich der Preis um je einen Dukaten. Mit dem Startgeld von maximal 7 Dukaten kommt man nicht unbedingt sehr weit. Ich bekomme zwar jede Runde 2 Dukaten, das reicht aber vorne und hinten nicht. So ist die Möglichkeit einen seiner Arbeiter auf den Kontor zu setzen, der mir 3 Dukaten einbringt, verführerisch. Wenn ich ihn aber setze, kann ich den gleichen Arbeiter nicht auf ein Rohstofffeld setzen und gehe eventuell leer aus. Ohne Rohstoffe kann ich nicht an der Burg bauen und auch keine neuen Gebäude errichten. Planung ist also der halbe Sieg. Und wenn dann noch ein Mitspieler den Vogt nach hinten verschiebt wird mein Holzfällerlager eventuell nicht gewertet. Um an der Burg zu bauen stelle ich einen meiner Arbeiter dorthin. Ich benötige drei Rohstoffe, eine Nahrung und zwei andere. Wer in einer Runde als Erster oder die meisten Burgteile baut, bekommt eine Gunst des Königs. Entweder Siegpunkte, Geld, Rohstoffe oder Preisnachlass beim Bauen von Gebäuden.
Im späteren Spiel kommen noch Prachtbauten, diese benötigen Gold, Wohnhäuser, mit diesen überbaue ich ausliegende Gebäude und Steinhäuser, die mehr Ertrag bringen, ins Spiel. Ich kann auch die errichteten Gebäude meiner Mitspieler nutzen, dazu stelle ich einen meiner Arbeiter auf das Gebäude und der Besitzer bekommt einen Prestige-, also Siegpunkt. Manche Gebäude geben dem Besitzer zusätzlich noch Rohstoffe. Es lohnt sich also ertragreiche und teure Gebäude zu bauen.
Vom Baumeister zum Hofarchitekten
Um Caylus zu gewinnen muss also viel bedacht werden. Jede Runde bietet neue Herausforderungen und verlangt neue Entscheidungen. Wer einen Aspekt des Spiels (Burgbau, Häuserbau, Rohstofferwerb, Spielreihenfolge, Vogt) aus den Augen verliert, kann schnell abgeschlagen sein. So ist es auch sehr wichtig die Zugreihenfolge hin und wieder zu verändern und sich an die Spitze zu setzen. Besonders im Spiel zu fünft ist dies wichtig, da es in der Anfangsphase nicht genügend Rohstofffelder gibt. Achten Sie immer auf die Aktionen, die Ihre Mitspieler ausführen. Planen die etwas? Führen die etwas im Schilde? Nur wer an der Burg baut, kommt schnell voran. Da gibt es viele Siegpunkte zu ergattern. Aber auch der Häuserbau und später im Spiel der Bau von Prachtbauten bringt Säcke voll Ruhm. Wo also beginnen? Caylus bietet sehr viel Abwechslung und ist jedes Mal anders. Die Spiele zu Viert und zu Fünft unterscheiden sich sehr von einander, da im Fünferspiel steter Mangel herrscht. Ein hochkomplexes Spiel mit einer überschaubaren Anleitung; diese Mischung garantiert langen Spielspaß.Zubehör und Ausstattung
Neben dem großen Spielplan müssen Sie noch einigen Platz auf Ihrem Tisch freimachen, damit alles Material darauf passt. Die 40 Gebäudekarten werden nach Farbe sortiert, die 140 Rohstoffe können unsortiert bleiben. Allerdings müssen Sie die 100 Gebäude an die Mitspieler verteilen, genauso wie die 30 Arbeiter und die 35 Markierungsscheiben, die dann ihren Platz auf dem Spielplan finden. Auch der Seneschall und der Vogt kommen auf den Plan. Die Anleitung ist ausführlich, könnte aber noch besser geschrieben und mit mehr Beispielen versehen werden. Mit ein bisschen Einarbeitung gibt es aber keine offenen Regelfragen mehr. Obwohl das Spiel recht komplex ist, gibt es wenig Situationen, die unklar sind und geklärt werden müssten. Caylus ist ein Spiel für 2 bis 5 Personen ab 12 Jahren. Richtig gut ist das Spiel mit 4 oder 5 Spielern und Spielern ab 16 Jahren, da 12-jährige sicherlich noch nicht die Tiefen und Möglichkeiten des Spiels vollständig ausschöpfen können. Caylus ist wirklich ein außergewöhnliches Spiel und bekam zu Recht den Deutschen Spielepreis 2006 und den Sonderpreis für "Komplexes Spiel" der Jury des Spiel des Jahres 2006.