Joanna Newsoms Debutalbum "The Milk-Eyed Mender" war eigentlich schon bemerkenswert genug für ein Leben. War es doch in den Rolling Stone Top 500 der besten Alben aller Zeiten bei einem Juriemitglied auf der Nummer eins gelandet. Aber die 24 Jahre alte Frau mit der schrägen Stimme und der Harfe ist zurück. Debutalbum ist außerdem nicht ganz richtig da sie davor schon zwei, heute leider nicht mehr legal erhätliche, CDs im Eigenvertrieb veröffentlichte. Diesmals mussten es gleich ein Doppelalbum sein, welches sich wieder in 5 lange Einzeltracks aufgliedert. Lang das bedeutet in diesem Fall über 9 Minuten und das wiederum erinnert uns an eine längst vergangene Zeit (die 70er Jahre) in einer weit entfernten Galaxies als Pink Floyd, Yes, King Crimson und einige weiter Progressive Rock Acts sich gegenseitig mit der länge ihre Lieder zu überbieten. Das Team um die Sängerin herum ist diesmal auch nicht von schlechten Eltern: Steve Albini (Produzent von Nirvana, Stooges) war als Engineer tätig, Van Dyke Parks (bekannt durch seine Zusammenarbeit mit den Beach Boys) hat die Stringaragments hinzugefügt und Jim O'Rourke (Sonic Youth) mischte die Platte ab. Bemerkenswert ist auch das wunderschöne Coverphoto welches bei der Vinylausgabe des Albums natürlich besonders zur Geltung kommt. Ja den sogenannten Free Folk, in anlehnung an den Free Jazz, gibt es wieder in voller Blüte. Was früher nur seltsame Kauze wie die Incredible String Band gemacht haben, trifft heute ein etwas größers Publikum. Aber nun zurück zu Joanna Newsoms neuen Album. Himmlische Melodien paaren sich hier mit mystischen Phantasietexten wie aus dem besten Märchenbuch. Joannas Stimme wirkt auch etwas reifer als auf ihrem Debut und wird manchmal von Bill Callahan von Smog, der übrigens auch wie ein Fünfjahriger klingt, unterstützt. Somit ist Ys als ihr bisheriges Machwerk zu bezeichnen und insgesamt sehr zu empfehlen.
Anspieltipps: Cosmia, Emily
Zum Weiterhören: The Milk-Eyed Mender, Joanna Newsom & The Ys Street Band (EP)
Artverwandtes: The Hangman's Beautiful Daughter (Incredible String Band), Noah's Ark (CoCo Rosie)