Eine recht außergewöhnliche und interessante Idee hatte Donna Andrews da, als sie Turing Hopper, die empfindungsfähige künstliche Intelligenz (engl. AIP) erschuf. Turing wurde von ihrem Programmierer Zack nicht nur mit dem üblichen Datenkram gefüttert, sondern auch mit allem, was das Krimi-Genre so hergibt. Kein Wunder, dass ihr Spürsinn erwacht, als Zack plötzlich verschwunden ist. Turing setzt alles in ihrer Macht stehende daran, Zack zu finden und verbündet sich für die Dinge in ihrer Ermittlungsarbeit, für die zwei Beine notwendig sind, mit Maude und Tim, zwei Kollegen aus dem Unternehmen, in dem sie eingesetzt wird.
Das Konzept einer empfindungsfähigen Maschine bzw. eines Computers ist nicht neu. Spontan fiel mir der gute alte Data aus Star Trek - The Next Generation ein. Doch im Unterschied zu Data hat Turing keine Probleme mit Emotionen wie Trauer, Angst oder Humor. Turing beobachtet die Menschen in ihrer Umgebung und scheint deren Empfindungen (bis auf ein paar Ausnahmen, wie z.B. Sex) nachvollziehen zu können. Ihre Selbstreflexionen machen einen Großteil des Buches aus - und sind immer sehr amüsant zu verfolgen. Turing ist empfindungsfähig, aber gleichzeitig auch noch mitten drin, sich selbst und ihre Umwelt verstehen und kennen zu lernen.
Insgesamt hat mir Andrews Idee von einem Computer als Detektiv sehr gut gefallen. Turing ist mit ihrem flapsigen Witz, manchmal unbeholfenem Charme und einigen verdächtig menschlichen Eigenschaften (z.B. Paranoia) äußerst liebenswürdig und unterhaltsam. Gegen Ende läuft die Geschichte zwar ein wenig aus dem Ruder und Turings Entwicklung wirkt etwas unrealistisch - aber schließlich ist das ganze Konzept weniger aus der wissenschaftlichen Perspektive zu sehen, sondern als eine phantasievolle Geschichte, die eine originelle Idee zum Leben erweckt.
Fazit: Ein witziger, ungewöhnlicher Roman mit einer äußerst sympathischen Hauptfigur. Auch wenn der Fall ein wenig durcheinander und verwirrend wirkt, Turing macht dies mit ihrer bemerkenswerten Persönlichkeit und der Interaktion mit ihren beiden "Watsons" wieder wett. Computerspezialisten sollten den Roman natürlich als das nehmen, was er ist: eine (unterhaltsame) Fiktion.