Da sitz ich nun, und versuche eine Rechtfertigung meiner Taten.
Als das Album im Jahre '94 erschien war ich voller Vorfreude und Erwartungen, die genährt waren vom genialen 'Countdown' (das ich noch nicht als kommerzig empfand). Meine Favoriten waren damals Pantera, Slayer, Metallica, der ganze Thrash eben - und ich war enttäuscht von 'Youthanasia' - so maßlos, dass ich die CD alsbald verkaufte. Schwülstige Refrains wie 'A tout le monde', Pop-Rock wie 'Blood of Heroes' - was sollte das?
Gut 10 Jahre später, nach Erscheinen der Remasters stellte ich fest, dass, obwohl aufs Abstellgeleis gestellt, noch immer einige der Refrains in meinem Kopf herumschwirrten - die Scheibe konnte also nicht SOO schlecht sein, und in der Tat, sie ist es nicht.
Dave Mustaine schreibt im Booklet auch seine Ansicht, dass diese CD der Scheidepunkt gewesen wäre zwischen den Speed-Fans und den Megadeth Fans, und fühlt sich missverstanden, da einige seiner besten Songs hier zu finden sind.
'Youthanasia' ist JENE Megadeth-Scheibe, die zwar immer noch (Kern-)Megadeth ist, jedoch viel mehr zu bieten hat, denn - seien wir uns ehrlich - immer nur Thrash und Speed ist langweilig (Diamond Darrell ist tot, und ich bin ja auch schon 28...). Aber was Metallica meines Erachtens nicht geschafft hat, nämlich einen Anschluss an das schwarze Album zu finden, das hat Megadeth mit diesem Album.
Eingängige Melodien (Blood of Heroes, I thought I knew it all), große Refrains (Addicted to Chaos, A tout le monde), tolle Soli, und eine weite Spanne von Radio-Rock bis klassische Megadeth (Reckoning Day, Victory). Und, wenn mich nicht alles täuscht, hab ich beim Refrain von 'Youthanasia' sogar ein wenig Black Sabbath herausgehört - so langsam sind die geworden, aber kein bisschen weniger hart. Check it out.