ich habe als halbes Kind mit Burda Schnittmustern nähen gelernt. Das war nicht immer ganz einfach, und ob es was wurde war auch erst nach sehr viel Aufwand zu erkennen. Mit Schnittmuster abpausen, ausschneiden, auflegen, Durchschlagen, Einlage aufbügeln usw ... beinahe von der Pike auf (die gelernten Schneiderinnen drücken bitte ganz fest beide Augen zu, für Profis mag dies Buch eine Verunglimpfung eines edlen Handwerks sein). Für meine Puppen hatte ich mich durchaus getraut einfach Pi mal Daumen zuzuschneiden und herumzuprobieren. Das hat ganz ehrlich sehr viel mehr Spaß gemacht und auch da lernt man schnell, dass es ohne gründliche Vorüberlegung und einen Plan im Kopf nicht gut werden kann ...
Dieses Buch bringt mir wieder die unbefangene Herangehensweise von früher in Erinnerung. Schnitte werden direkt auf dem Stoff markiert (manchmal lediglich mit Maßband, Schneiderkreide und Stecknadeln) die Basis dafür sind die eigenen Maße (wie und wo gemessen wird ist direkt beim Projekt sehr gut erklärt) geometrische Grundformen und/oder vorhandene gut passende Kleidungsstücke.
Es gibt nicht viele Nähte und keine schwierigen Details. Wie die Nähmaschine funktioniert, lässt man sich am besten zeigen und dann kann es auch schon losgehen: Stoff auf Tisch oder Boden ausbreiten, Schnitt aufzeichnen, zuschneiden, zusammennähen, Reißverschlüsse, Knöpfe, Taschen, Säume ... fertig. Ein Bügeleisen gibt es überall, die Stoffschere und der Nahttrenner (braucht man spätestens beim Knopfloch ... ) sollten sehr gut funktionieren, denn alt und stumpf geht gar nicht, da wär es schade um die Mühe und das mißhandelte Textil.
Es gibt 10 Teile (gerader Rock, Tellerrock, Top, Weste, Tunika, Kleid, Jacke, Cape, Hose und Jumpsuit) und - das ist das Beste - 8 Kollektionen die jedes dieser Teile variantenreich in einem anderen Stil präsentieren, aus den angenehm realistischen Fotos kann man sich also durchaus Inspiration für den eigenen Geschmack holen und durch die gezeigten Kombinationen entsprechend Stoffe passend zueinander aussuchen. Die Kollektionen heißen Acid Candy, Monochrome Art, American Road Trip, Rude Disco, Coffee Classic, Jungle Punk, Safari Prep und Tea Picnic - tatsächlich gut gewählte Namen. Die verwendeten Stoffe sind ganz normal, ziemlich einfach und handelsüblich, spezielle Zutaten werden nicht benötigt. Ob man dann selbst noch zusätzliche Ideen und Verhübschungen haben will, bleibt jeder Selbermacherin selbst überlassen.
Die Zielgruppe? an jungen schlanken Figuren sieht natürlich alles besser aus, aber die Sachen sind nicht passformsensibel und daher allgemein gut tragbar. Wer dazu ein Grundlagennähbuch zu Hilfe nimmt, kann figurbedingte Anpassungen leicht selbst vornehmen, das kenn ich schließlich auch von Fertigschnitten, die passen auch nicht immer jedem so wie sie aus der Tüte oder dem Drucker kommen ... und während die gründliche fleißige Schnittmusternäherin noch ausschneidet, klebt und radelt ... ist Miss DIY schon am zweiten Teil.
DIY Couture ist bestens geeignet um einfach mit dem Nähen anzufangen, Appeal hoch, Hemmschwelle keine, ausprobieren kann man manches auch mit verfügbarem Vorhang- oder Tischtuchstoff. Just Do it !
("richtig" nähen lernen nach allen Regeln der Handwerkskunst kann man wenn man auf den Geschmack gekommen ist, immer noch, möglicherweise muss/will man das aber im pragmatisch schnellen Alltag auch gar nicht mehr ... )