Noch vor kurzem war Leeds besonders in Fußballkreisen ein großer Begriff. Die Mannschaft der einstigen Textilmetropole, die nun wirtschaftlich am Boden liegt, brachte es in der Champions League bis ins Halbfinale. Doch fünf Jungs aus dem Norden Englands träumten einen anderen Traum. Im Jahre 2005 sollte sich dieser erfüllen. Die Kaiser Chiefs benannt nach einem südafrikanischen Fußballvereins, bei dem der damalige Leeds-Verteidiger Lucas Radebe spielte starteten mit ihrem Debütalbum "Employment" durch in Richtung Rockn'Roll-Thron. Das Quintett ist mittlerweile eine der größten musikalischen Attraktionen der Insel, während der ortsansässige Fußballverein ohne Lucas Radebe auf dem letzten Platz der zweiten englischen Liga herumdümpelt. Nun stürmen sie mit "Yours truly, angry mob" wieder nach vorn.
Schon mit der ersten Singleauskopplung ließ das Quintett aus der nordenglischen Textilmetropole keinen Zweifel daran, dass auch das neue Werk dort anknüpft, wo "Employment" aufgehört hatte. Wie vormals "Oh my god" setzte sich "Ruby" in den Ohren der geneigten Zuhörer fest. "Wir sind eine großartige Band und wir schreiben großartigen Songs", posaunt Keyboarder Nick Baines und liegt damit nicht gänzlich falsch. Immer dann, wenn die Kaiser Chiefs in die Offensive gehen und die Menge mit rockigen Klängen nach vorne treiben, zeigen sich die Stärken des Albums. Der sich langsam entwickelnde Titelsong "The Angry Mob" ist das beste Beispiel zuerst scheint der Angriff durch eine mittelmäßige Popattitüde ins Leere zu grätschen, um dann am Ende mit einem fulminanten Schlussspurt aus der Distanz zu treffen. Auch das locker-poppige "Heat dies down", das dennoch nach vorne geht, und das eingängige "Learnt my lesson well" zeugen davon, dass das Hitpotenzial des Erstlingswerks des Leeds-Fünfers kein Zufallstreffer war.
Es zeigen sich in den wenigen, ruhigen Phasen des Albums ("Try your best", "I can do it without you") zwar gewisse Schwächen, doch wer hatte dies von den stürmischen Briten erwartet? Die Kaiser Chiefs überzeugen auf anderem Gebiet: Offensiver Indierock, der durch starke Ohrwurmgefahr und rockige Rhythmen überzeugt, ohne mit der Brechstange zu agieren. Zum Schluss setzt der "Angry Mob" mit "Retirement" noch einen wütendes i-Tüpfelchen auf eine gelungene Platte. "Kaiser" Franz wäre begeistert.