Strokes-Fans aufgepasst! Hier kommt das beste Album der New Yorker seit ihrem Debüt. Allerdings brauchte es für dieses kleine Wunderwerk nur Gitarrist Albert Hammond Jr. Der Rest der Band wollte nicht. Angeblich seien die Songs zu schlecht gewesen. Stümper!
Wie kann man sich nur der Beach Boys-Magie des Glockenspiel-getränkten Openers "Cartoon Music For Superheroes" entziehen? Oder der markant meckernden Gitarre widerstehen, die sich schlecht gelaunt durch das unaufhaltsam vorwärts preschende "In Transit" schimpft? Gut, dass Herr Hammond sich von seinen sonstigen Mitstreitern nicht hat kirre machen lassen. Nun heimst er eben alleine die Lorbeeren für eine der gelungensten Rockplatten des Jahres ein.
Ohrwürmer zuhauf hat der Spross von Albert "It Never Rains In Southern California" Hammond Senior auf sein kurzweiliges Solo-Debüt gepackt. Herrlich hallend das schüchterne "Blue Skies", kongenial zappelnd das bereits als Download-Single bekannte "Everyone Gets A Star" und unverblümt rockend das beinahe schon enthusiastische "101" mit einem Gitarrensolo, für das manch einer töten würde.
Alles auf "Yours To Keep" klingt beschwingt, entspannt und unverkrampft. Als hätte man die Strokes aus ihren zu engen Hosen gepellt, ihnen ein Herz und eine Seele verabreicht und einen Sänger geschenkt, der mehr als nur nuscheln kann. Höhepunkte sind zweifelsohne das schnarrig verspielte "Scared", das sich einen Refrain im besten Flaming Lips-Stil gönnt, und das aufmüpfig hüpfende "Call An Ambulance", in dem zur Rhythmisch-Akustischen auch mal tolldreist gepfiffen werden darf.
Wer denkt zum Ende hin ginge "Yours To Keep" die Puste aus, hat bestimmt nicht mit dem dumpf schlagzeugenden und quirlig gitarrenden "Holiday" gerechnet, das einen Bauklötzer staunen lässt, bevor "Hard To Live In The City" die Sache mit seinen epischen fünf Minuten und den finalen Dixieland-Bläsern schließlich gekonnt abrundet.
Albert Hammond Jr hat alles richtig gemacht, sich ein paar Freunde geschnappt (u.a. Sean Lennon, Ben Kweller, Sammy James Jr.) und die Platte aufgenommen, die sich die Strokes nicht getraut haben. Nun werden die für ihre Feigheit bestraft und künftig ohne die Songwriting-Talente ihres Gitarristen auskommen müssen. Der spart sich seine Melodien nämlich lieber für Solo-Album Nummer Zwei auf. Keine schlechte Idee...-Michael Seifert-