George Lucas´ Faible für breite musikalische Untermalung der von ihm produzierten Filme hat schon so manchen filmmusikalischen Leckerbissen hervorgebracht, und es ist erfreulich zu sehen, daß er dieser Vorliebe auch in seinen TV-Produktionen treu bleibt.
Musikalisch ist ein solches Projekt natürlich ausgesprochen dankbar, und glücklicherweise ist an der entsprechenden Ausgestaltung auch nicht gespart worden. Die nun vorliegenden vier Episoden (weitere drei Sampler folgen) geben einen ersten Eindruck und bieten Kompositionen von McNeely und Rosenthal. Vom letzteren stammt der griffige "Main Title", dessen operettenhafter Tonfall dieser prachtvollen Ouvertüre eben jene Leichtfüßigkeit gibt, mit der in der gesamten Serie durchaus niveauvolle Themen angegangen werden.
Doch zunächst ein Blick auf die von McNeely betreuten Episoden: "Verdun 1916" beschreibt Indys dramatische Kriegserfahrungen an der Westfront und seine Desertierung. McNeelys Konzeption ist durchaus anspruchsvoll und steht in ihrem bewußten Umgang mit dem Medium Filmmusik dem intellektuellen Ansatz Rosenthal in nichts nach - die konkrete Umsetzung jedoch kann nicht ganz mit dem arrivierten Kollegen konkurrieren. Eher flach wirkt der Versuch einer intim-introvertierten Kommentierung des für Indy schockierenden Besuches eines Sanitätslagers durch einen neobarocken Satz für Klavier-Solo und Streicher; und die laut McNeely der deutschen Symphonik verpflichtete Umsetzung des Kriegsschrecken durch ein "Dies Irae" für Chor und Orchester entpuppt sich mehr als eine romantisierende Orff-Paraphrase, denn als deutsches Requiem. Eine ähnliche Diskrepanz von verbalem Anspruch und musikalischer Substanz weist auch die Folge "Paris 1916" auf, in der sich Indy von der Meisterspionin Mata Hari becircen läßt. McNeelys Ausflug in den Impressionismus ist zwar deutlich glaubhafter als sein "germanic style", unter dem Strich klingt´s aber eher nach Wiener Walzerseligkeit als nach "La Valse". Trotzdem: Hätte man nicht Rosenthals Arbeiten zum direkten Vergleich, so müßte man McNeely auf jeden Fall ein überdurchschnittliches TV-Niveau attestieren - Pech für ihn, an der Seite eines Meisters arbeiten zu müssen.
Unter den von Rosenthal hier vorliegenden zwei Werken ist ein echter Höhepunkt: "Barcelona 1917", in der Indy gleich zwei Kulturgrößen des frühen 20. Jahrhunderts begegnet, Pablo Picasso und Sergej Diaghilev, die gemeinsam an der Ballett-Inszenierung der Korsakoffschen "Scheherazade" arbeiten. Russische und spanische Ballettmusik sind dann auch der Bezugspunkt der gesamten Musik, die in brillanter Weise Zitate von Rimsky Korsakoff, Peter Tschaikowsky und natürlich Igor Strawinsky einbindet. Die Höhepunkte sind jedoch das spanisch gefärbte Stück "The Comtessa", das ausgespochen witzig zwischen Albinez und Tschaikowsky changiert, und die effektvoll-komödiantische "Lead for Breakfast"-Sequenz.
Weniger effektvoll, wenngleich nicht minder folkloristisch, ist die Musik zu "Peking 1910", in der die fernöstliche Erfahrung Indys und seine Heilung von schwerer Krankheit durch einen Akupunktur-Großmeister berichtet wird. Hier liegt der Akzent stärker auf dem inneren Drama der Begegung von östlicher und westlicher Kultur - klassische Harmonik und Pentatonik als deren äußere Konfrontation und harmonisch indifferente Meditation als Ausdruck der inneren Spannung. Fazit: Eine empfehlenswerte CD mit einem hochkarätigen Fernseh-Soundtrack.