Kunterbunt und dennoch niveauvoll geht es in der zweiten Folge der TV-Musiken zu den Jugenderlebnissen des Indiana Jones zu. Es bleibt zwar nicht so turbulent verspielt, wie der alternative Main Title von Laurence Rosenthal eingangs zu verkünden scheint (der symphonische Themenkopf springt unangekündigt in eine Dixie-Fortführung, um kaum eine halbe Minute später sein großorchestrales Ende zu finden), dafür aber werden wir zunächst einmal mit einer Lektion Musikgeschichte vertröstet: Ebenfalls aus der Feder Rosenthals stammt die Musik zur Episode "Wien 1908", in der Klein-Indy eine unschuldige Romanze mit Prinzessin Sophie erlebt - sechs Jahre, bevor die Ermordung ihres Vaters in Sarajevo den Auftakt zum Ersten Weltkrieg bilden sollte. Rosenthal greift bei solch naivem Terrain verständlicherweise nicht auf das Erbe der "Neuen Wiener Schule" zurück, schießt aber dennoch mit Kanonen auf Spatzen - sehr zum Vorteil des Filmmusikfreundes. Sein Bezugspunkt ist Richard Strauss, insbesondere derjenige der späteren Opern. "Rosenkavalier" und "Arabella" nennt Rosenthal selbst als Einflüsse, die er jedoch nicht zitiert, wohl aber imitiert und mit einem Schuß walzerseliger Nostalgie versetzt. Seine stilsichere Hand braucht sich dabei nicht einmal zu verstellen, denn auch sein Personalstil lebt ja von der künstlerischen Begegnung mit der Musik des großen Spätromantikers. Heraus kam eine sehr intime, harmonisch reiche Musik für streicherbetontes Kammerorchester, deren 17 Minuten alleine die CD schon lohnen.
Der zweite Rosenthal-Score setzt die Reihe illustrer Begegnungen in exotischen Gefilden fort: In "British East Africa 1909" geht der Dreikäsehoch mit Theodore Roosevelt auf Safari uns sinniert über den Wert des tierischen Lebens (wohlweislich Jahrzehnte vor der Tierschutz-Bewegung). Handwerklich nicht ganz so durchtrieben und sophisticated wie bisher verarbeitet Rosenthal hier afrikanische Folklore; eher plakativ auf rhythmischer Ebene (daran ändert auch die zur Aufnahme eingeflogene Drumming-Kapazität aus Ghana nichts), dafür aber subtil und kontemplativ auf melodischer Ebene (nämlich eben genau nicht durch den Gebrauch von Originalinstrumenten, sondern durch eine Übertragung der schwebenden Melismen in das temperierte Tonsystem).
Recht handfest wirken dagegen die Arbeiten Joel McNeelys. Für die Doppelfolge "German East Africa 1916/Congo 1917", kreierte er eine zugkräftige Abenteuermusik, die sich wohl mit John Williams messen will (siehe "Desert Storm" - was will uns der Titel sagen ...). Daß McNeely kein Musikhistoriker ist, hat sich bereits in Volume I herausgestellt, und so geht auch diesmal sein diesbezüglicher Ausflug in die Hose: Seine angeblich klassische Elegie für Klarinette und Streicher klingt, als habe sich Aaron Copland an der Wiener Klassik vergriffen.
Hübsch, aber nichtssagend, ist auch sein Beitrag zur Episode "London 1916". Die hier verwandten irischen Folklore-Elemente bleiben diskret und unaufdringlich. Alles in allem solides Handwerk mit gutgemeinten Ansätzen. Wie schon beim ersten Mal: Auch McNeelys Arbeiten müssen als absolute Spitzenleistung auf dem Gebiet der TV-Musik angesehen werden, wenngleich er natürlich gegen Rosenthal nicht ankommen kann. Die gesamte CD ist aber in jedem Fall empfehlenswert.