Die DVD besteht aus verschiedenen Programmteilen, die man auch einzeln abrufen kann. Wählt man das Gesamtprogramm, beginnt man mit einer guten Lockerungseinheit, die vielleicht etwas dadurch verwirrt, dass mehrere Übungen sich wiederholen, nachdem man zwischendurch eine andere Übung gemacht hat. Und statt in der Tonspur darauf hinzuweisen (z.B. "Wir wiederholen das Beckenkreisen") und eine neue Filmsequenz zu zeigen, wird eben einfach der entsprechende Filmteil wiederholt. So kann man beim ersten Ansehen glauben, mit dem eigenen DVD-Spieler stimmt etwas nicht und er sei wie früher Platten "zurückgesprungen".
Der Blick in das Booklet zeigt aber, dass die Wiederholung so beabsichtigt ist.
Es folgt der Teil mit den Qi Gong Übungen. Qi Gong ist, wenn man es schlicht auf den Punkt bringen will, leichter nachvollziehbar als Tai Chi, denn bei Qi Gong bleiben die Beine und Füße relativ konstant in einer Haltung und bewegen sich nur leicht unterstützend zu den Bewegungen der Arme und des Oberkörpers. Die Übungsfolgen sind minimalistischer und werden in einem einfach links/rechts oder oben/unten Wechsel durchgeführt, ähnlich den westlichen Körperübungen z.B. im Pilates. So weit ich informiert bin, wird Qi Gong heute auch in China vorwiegend zur körperlichen Gesundheitsförderung und zum inneren Ausgleich praktiziert. Auf der DVD werden 7 Qi Gong Übungen vorgestellt. Hier gleich ein Tip: in genau dem gleichen Stil kann man, wenn einem besonders diese Übungen gut gefallen, mit
Qi Gong - Einfaches Entspannen durch sanften Energiefluss und
Qi Gong für den Rücken - Heilsame Übungen für eine gesunde Wirbelsäule weiterüben.
Der Tai Chi Teil ist zunächst ebenfalls gut gestaltet, nach etwa der Hälfte jedoch werden die Übungen meinem Eindruck nach gerade für Anfänger zu schnell erklärt und dargestellt. Besonders heftig fand ich die "Einfache Peitsche", die zudem auch noch so verkürzt wurde, dass die Übung für Anfänger eher schwerer als einfacher wurde. Daniel Grolle, ein erfahrener Tai Chi Lehrer aus Hamburg, hat dazu einmal gesagt, dass leider viele Praktizierende dazu neigen, die Übungen zu schnell und nur "mit dem Kopf" ("jetzt hebe ich den Arm") zu machen, das kurze Verharren in jeder Einzelhaltung fehlt. Doch genau das brauchen Anfänger, damit die Übungen nicht einfach nur hektisch nachgeformt, sondern auch wirklich innerlich ergriffen werden.
Und auf dieser DVD fehlen leider genau diese Sequenzen, in denen der Lehrer eine Abfolge im absoluten Schneckentempo in jede einzelne Haltung zerlegt und in dieser Haltung ein, zwei Sekunden verharrt, bevor er im Zeitlupentempo in die nächste Haltung gleitet. Zwar macht Young-Ho Kim zu Anfang immer die Übung etwas langsamer ein-, zweimal vor, doch für Anfänger ist das leider immer noch zu wenig und zu schnell, zumal man sich das ganze auch noch spiegelverkehrt vorstellen muss.
Mein Tipp für zukünftige Neuauflagen wäre, einen Programmteil hinzuzufügen, bei dem sich totale Beginner die Tai Chi Formen in der langsamsten Form Stück für Stück aneignen können, bevor sie in die fließenden Formen des eigentlichen Programmteils wechseln. Anders als eben Pilates, das westlichen Menschen als Abwandlung klassischer Gymastik vertrauter vorkommt und schnell erlernt werden kann, oder Yoga, das ohnehin sehr langsame Bewegungen hat, muss man sich eben erstmal an die typischen Haltungen und Bewegungen des Tai Chi gewöhnen. Zu schnelles Vorgehen kann da schnell entweder zu einer nur scheinbar richtigen, aber eigentlichen "schlampigen" Ausführung oder zu Frustrationen führen.