Ich habe alle "Young Bond"-Bände gelesen - weil mein Sohn (16) James-Bond-Fan ist, wir die James-Bond-Filme mit den verschiedenen Darstellern sammeln und ich spannende Lektüre mag. Es war auch diesmal wieder sehr kurzweilig, das Buch zu lesen. Man weiß zwar, dass das Abenteuer für James und das junge Bond-Girl gut ausgehen wird. Trotzdem fiebert man der Auflösung entgegen.
Das Buch ist handwerklich sehr gut gemacht. Ständig passiert was; wenn ein Hindernis gemeistert ist und der Leser meint, aufatmen zu können, folgt schon die nächste böse Überraschung. Mexiko ist farbig geschildert, die Beschreibung des großen Sturms ist temporeich, zum Teil atemberaubend. Mit James und auch mit Precious können die Leser sich gut identifizieren, die Bösewichte sind richtig fies, zum Teil aber auch tragikomisch, und der große Fädenzieher El Huricán ist eine typische Verbrecherkönig-Figur wie in den Bond-Filmen, dabei nicht mal richtig unsympathisch...
Und trotzdem vergebe ich nur drei Sterne! Denn für ein Jugendbuch ist dieser "Young Bond" (wie z.T. auch die Vorgänger) viel zu hart. Da werden Menschen reihenweise abgeschlachtet, zum Teil auf grausige Art zu Tode gebracht... Entweder verursacht das jungen Lesern Albträume (ich mag gar nicht daran denken, wie 11-, 12-jährige darauf reagieren) - ich fürchte aber, an vielen Jugendlichen wird diese Gewalt auch einfach abperlen. Und das finde ich noch schlimmer. Sie fiebern mit James, sie genießen das exotische Ambiente und die Hochspannung - und kaufen, praktisch ohne es zu merken, die Gewalt und den Sadismus mit ein! Wenn man ständig so was liest, gewöhnt man sich dran. Das ist bei Erwachsenen-Thrillern auch so. Heute gibt es doch gar keine scharf geschliffenen Krimirätsel mehr, sondern nur noch Serienmörder, Ausweidung von Opfern, psychische Abartigkeiten, genüssliche Schilderungen von geradezu fürchterlichen Verletzungen und Verwesungszuständen... Irgendwann ist man als Leser so weit, dass man diesen Kick des Abscheulichen sogar braucht! Ansonsten legt man das Buch schulterzuckend zur Seite: nicht spektakulär, nicht hart genug...
Und genau das könnte sich bei den Lesern der "Young Bond"-Reihe und anderer Action-Thriller für Jugendliche (Alex Rider) auch einstellen.