(Kinoversion)
Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Drehbuch) haben sich nach ihrem Überraschungshit "Juno" von 2007 erneut zusammengetan und "Young Adult" in die Kinos gebracht. Wer nun aber denkt, dass dabei erneut eine witzig-schrullige Independent-Komödie herausgekommen ist, die mit herzerfrischend ehrlichen Dialogen und einer kurzweilig erzählten Geschichte daherkommt, der irrt leider. "Young Adult" ist bedauerlicherweise eine sehr unausgegorene Mischung aus Drama und Komödie, die zwar mit ein paar derben Sprüchen und absurden Situationen punkten kann, letztendlich aber eine traurige Geschichte erzählt, die einen eher Mitleid für die Protagonistin empfinden lässt, als dass man gemeinsam mit ihr lachen könnte oder möchte. Diablo Cody hat meiner Meinung nach nach ihrem Erstlingswerk "Juno" nie wieder dieselbe Leichtigkeit und Individualität erreicht, die diesen Film auszeichnete. "Jennifer's Body" war ein recht durchschnittlicher Teenie-Horrorfilm und auch ihre Scripts zur US-Serie "United States of Tara", in der Toni Collette eine Frau mit multiplen Persönlichkeiten spielt, sind nicht vollends überzeugend. Und auch mit Jason Reitmans anderen Filmen ("Up in the Air", "Thank you for Smoking") kann ich nicht so richtig etwas anfangen, somit scheint "Juno" bislang das einzige Werk dieser beiden Kreativen zu sein, welches rundum gelungen ist. Warum es bei "Young Adult" leider nicht zur "Daumen hoch"-Geste gereicht hat, erfahrt ihr nun:
Mavis Gary (Charlize Theron, "Monster", "Hancock") ist Ghostwriterin und schreibt Romane für junge (young) Erwachsene (adults)… die allerdings nichts mit Vampiren zu tun haben. Da sie sich ihre Ideen aber mittlerweile von Teenagern, die ihre Wege kreuzen, regelrecht "abhören" muss, in dem sie deren Gespräche belauscht, ist das Ende der Buchreihe absehbar. Auch sonst hat die 37jährige, die in Minneapolis mit ihrem kleinen Hund in einer unaufgeräumten Wohnung lebt, nicht viel Positives zu vermelden. Sie ist geschieden, ihre Dates haben eine Halbwertzeit von 12 bis 24 Stunden und sie hat kaum Freunde oder andere soziale Kontakte. Als ihre Highschool-Liebe Buddy (Patrick Wilson, "Insidious", "The Ledge") ihr die Geburtsanzeige seiner kleinen Tochter schickt, beschließt Mavis spontan, in ihren Heimatort zu reisen und Buddy wiederzusehen. Nach einer whiskeydurchtränkten Nacht, in der sie ihren ehemaligen Schulkameraden und Nerd Matt (Patton Oswalt, "King of Queens") wieder getroffen hat, beschließt Mavis, sich Familienvater und Ehemann Buddy zurückzuerobern, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Sie macht sich gezielt an ihn heran und versucht, bei ihm die Erinnerungen an ihre vierjährige Beziehung während der Highschool wachzurufen. Mavis will zurück, was für sie die wohl beste Zeit ihres Lebens war, die Frage ist nur, ob Buddy auf Mavis' offensiven Retrokurs Richtung Teenagerliebe einschwenken wird oder nicht…
Genrekreuzungen sind ja immer eine heikle Sache, der Grat zwischen zwei in der Regel völlig gegensätzlichen Filmgattungen ist bekanntlich schmal und unwegsam. Das unsägliche Wort "Dramödie" vereint schon rhetorisch recht unglücklich zwei scheinbar nicht zu vereinende Genres, nämlich die des Dramas und der Komödie. Der jüngst im Kino angelaufene Film "Ziemlich beste Freunde" beweist eindrucksvoll, wie wunderbar diese Symbiose funktionieren kann, wenn einer eigentlich traurigen oder dramatischen Grundsituation genau die richtige Menge Witz und Leichtigkeit eingehaucht wird, so dass ein sowohl komischer als auch rührender Film entsteht, der den Zuschauer mitten ins Herz trifft.
Leider ist dies bei "Young Adult" größtenteils nicht geglückt. Der Film ist eigentlich die traurige Geschichte einer ehemaligen Highschool-Beauty, die sich dem Erwachsenwerden konsequent verweigert und sowohl Raubbau an ihrem Körper als auch an ihrer Seele betreibt. Emotional immer noch auf der Stufe eines Teenagers, lebt Mavis nahezu verantwortungslos in den Tag hinein und kümmert sich weder um sich selbst besonders gut, noch besitzt sie Empathie oder Mitgefühl anderen gegenüber. Sie stellt sich selbst in den Mittelpunkt ihres eigentlich armseligen Lebens und begreift nicht, dass man in ihr etwas anderes sehen könnte als eine erfolgreiche Autorin, die auch mit 37 noch bildschön aussieht und es geschafft hat, dem Kleinstadtmief ihres Heimatortes zu entkommen. Dass sie viel zu viel trinkt, unhöflich, egoistisch und rücksichtslos ist und sich in keinen normalen Tagesablauf einfügen kann, sieht sie nicht bzw. verdrängt es. Dies führt im Film zu dem Ergebnis, dass man zwar durchaus über Mavis lachen kann, sich aber eigentlich eher an den Kopf fassen möchte, wenn man ihr dabei zusieht, wie sie sich selbst ihr Leben ruiniert.
Und nun soll ihre Highschool-Liebe Buddy alles wieder richten. Die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit sind Mavis nahezu heilig und sie ist der Meinung, den armen Kerl, der an Frau und Kind "gefesselt" ist, aus seinem bedauernswerten Dasein erlösen zu müssen. Auf den Gedanken, dass Buddy mit seinem Leben und seiner Familie glücklich sein könnte, kommt sie gar nicht. Und auch wenn Ex-Schulkamerad Matt ihr wiederholt ins Gewissen redet, verfolgt Mavis ihren Eroberungsplan zielgenau weiter. Das alles ist darüber hinaus auch nicht sonderlich spannend, so dass die 94 Minuten sich zeitweise ganz schön in die Länge ziehen. Letztendlich sieht man einer am eigenen Leben gescheiterten Enddreißigerin dabei zu, wie sie sich kontinuierlich selbst demontiert und vorführt. Das ist weder besonders erheiternd, noch besonders kurzweilig noch hat es die dramaturgische Tiefe, um mit den Charakteren wirklich mitfühlen zu können.
Darstellerisch gibt es nichts zu meckern, Charlize Theron beweist erneut ihre Wandlungsfähigkeit und auch Mut zur Hässlichkeit, wenn sie mal wieder nach einer durchzechten Nacht mit verschmierter Schminke, verfilzten Haaren und Schlabberklamotten durch die Gegend schlurft. Die Gratwanderung zwischen Depression, Antriebslosigkeit, Verführung und Hoffnung gelingt ihr so sensibel wie nuanciert. Patrick Wilson muss sich bei seinem Buddy darstellerisch keine große Mühe geben, er spielt den liebenswerten Langweiler ohne Anstrengung, aber eben auch recht eindimensional. Patton Oswalt als verbaler Prügelknabe für Mavis schlägt sich wacker und hat für die nur rudimentär sozialisierte, trinkfeste Schriftstellerin neben selbstgebrautem Whiskey auch ein paar ernüchternde und witzige Worte parat. Die weiteren Nebenrollen bleiben relativ blass, wirken aber authentisch.
Alles in allem ist "Young Adult" eine nicht wirklich gelungene Mischung aus traurigem Trinker-Drama mit ein paar amüsanten Seitenhieben, bei denen einem aber leider ein paar Mal zu oft das Lachen im Halse stecken bleibt. Großartige Erkenntnisse bleiben sowohl bei den Protagonisten als auch bei den Zuschauern aus und die phrasenhaften Lebensweisheiten, die der Film parat hält, wirken in ihrer Einfachheit schon fast plump. Sowohl vom Regisseur als auch von der Drehbuchautorin habe ich eindeutig mehr erwartet, so dass es hier leider nur für knappe drei von fünf Whiskeys reicht, die man eigentlich besser nicht getrunken hätte.