Was tun mit einem Profikiller, der einen wichtigen Mordauftrag sturzbetrunken verschläft? - "Selbst zur Zielscheibe machen!" ruft der erfahrene Action-Blockbuster-Konsument - mit Ausnahme eines eher unbekannten Regisseurs, der diese Mordsvergeudung nicht zulässt u seinen "Helden" stattdessen die Chance einer seelischen und körperlichen Katharsis gönnt:
Willkommen im Leben von Frank Falenczyk - einem alkoholkranken ausgebrannten alternden Assassinen, den allein sein mörderisches Handwerk am Leben erhält - bis zu dem schicksalhaften Tag, an dem er einen wichtigen Auftrag versiebt u von seiner Mafiafamilie nach San Francisco geschickt wird. Er bekommt einen neuen Job im Leichenschauhaus, lernt eine hübsche junge Frau kennen und stellt sich der ultimativen neuen Herausforderung in seinem Leben: den anonymen Alkoholikern.
Lange war im am Überlegen, wie ich diesen Film einordne: Schwarzer Humor, Tragik, eine kuriose Liebesgeschichte, surreale Momente und Drama - ich bin mir sicher, dass dieser Film äußerst differenziert gesehen werden kann. Der Film lebt von gnadenlos guten Dialogen, schwarzem Humor und staubtrockenem Wortwitz. Und doch triftet der Humor nie ins Lächerliche ab. Das liegt vor allem an den ernsten Themen, die von den vielschichtigen Darstellern verkörpert werden: die alles verzehrende Alkoholsucht, Einsamkeit, Verzweiflung, Liebe, Hoffnung. Empor getragen wird der Film von den beiden gigantischen Hauptdarstellern Ben Kingsley und Tea Leonie. Der alte Charaktermime Kingsley brilliert in der Rolle des zynischen desillusionierten Franks und lässt den Film schon ohne Worte rocken, wenn er nur seine Miene spielen lässt. Bei aller seiner Genialität spielt ihn dennoch die göttlichen Téa Leonie fast an die Wand - so schön wie eine weiße Rose, so kühl wie Marmor und so undurchsichtig wie eine Shinx. Zwei komplexe Charaktere, die sowohl optisch als auch altersmäßig völlig im Gegensatz zueinander stehen und doch auf eine stille Art und Weise perfekt harmonieren. Trotz der vielen amüsanten Szenen berührt der Film auf eine sehr eigene Art, wenn man dem Kampf der beiden Seelen gegen die Einsamkeit verfolgt, das (versuchte) Fallenlassen der Masken und das verzweifelte Festklammern an der Hoffnung beobachtet.
Zu der gelungenen Mischung aus Humor, Drama und Tragik mixen sich noch skurrile surreale Momente, wenn sich bspw. Frank seinen Leidensgenossen vorstellt: "I'm Frank and I am a alcoholic. I kill people for living.", eine Laudatio über seinen geliebten "Job" derart schwingt - als würde ein Klempner von einer ruhmreichen Toilettenreparatur erzählen - und dies von den Zuhörern weniger mit Entsetzen als vielmehr mit Neugier und Interesse honoriert wird ("Amen!").
Der Film ist dunklen stillen Szenen dargestellt, die durch ihre Einfachheit und Ruhe eine bestechende Wirkung entfalten. Keine aufgepeppte Glitzerwelt, sondern schlichte Örtlichkeiten zentrieren die Aufmerksamkeit voll auf die Darsteller. Der Film hat seinen eigenen humorvollen u doch in den Bann ziehenden Charme, der im Original voll zur Geltung kommt. Am Schluss schleichen sich einige Längen ein, wenn der Film zwischen der faszinierenden Beziehungsgeschichte der Hauptprotagonisten noch an die explosive Entwicklung in Frank's Heimatort anzuknüpfen sucht ...ob es ein Happyend wird oder nicht, bleibt bis zum Schluss ganz weit offen.
Fazit:
Der Film ist trotz einiger Schwächen dank seiner Hauptdarsteller, eines brillanten Wortwitzes und einer kurios intelligenten Charakter- und Beziehungsentwicklung ein absolutes Highlight.