Die Hürtgenwald-Schlacht ist eine der letzten Mythen der jüngeren Zeitgeschichte, so die These der Dokumentation You Enter Germany". In meinem Fall stimmt das, denn obwohl ich zeitgeschichtlich sehr interessiert bin, hatte ich keine Ahnung, dass im Winter/Frühjahr 44/45 in der Eifel, nur 40 Kilometer Luftlinie von Köln entfernt - also direkt vor meiner Haustür - über 40.000 Soldaten auf deutscher und amerikanischer Seite ihr Leben verloren.
You Enter Germany" zeigt eindrucksvoll, wie es zu dieser Schlacht kommen konnte, bei der es weder Sieger noch Verlierer, sondern nur Opfer gab. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich über diese Schlacht jahrzehntelang ein Mantel des Schweigens gedeckt hat.
Auch nach mehrmaligem Ansehen geht mir dieser Film immer noch unter die Haut. Das liegt unter anderen an Zeitzeugen wie die US-Fotografenlegende Tony Vacchero, die in You Enter Germany" zu Wort kommen. Mich berühren tief die Worte eines deutschen Zeitzeugen, der als blutjunger Soldat bereits am ersten Gefechtstag seinen Arm verlor und heute sagt, dass das gut so war, denn: "So konnte ich keinen Menschen umbringen."
Der Film ist mit so noch nie gesehenen Luftaufnahmen und raffinierten Überblendungen, die die Schauplätze damals und heute zeigen, sehr gut gemacht. Es ist unglaublich, wie viel Originalmaterial die Filmmacher aus US-Archiven besorgt haben.
Die DVD beinhaltet Zusatzmenüs wie zum Beispiel über die Bombardierung Dürens und ein mit reichlich Kartenmaterial bestücktes Booklet, das den sehr guten Eindruck abrundet.
Endlich einmal eine Weltkrieg II-Dokumentation, die sich fernab der ausgelatschten Trampelpfade Guido Knoppscher-Manier bewegt, habe ich nach dem ersten Ansehen der DVD gedacht. You Enter Germany" ist aber viel mehr - dieser Film ist ein eindrucksvolles Fanal gegen den Krieg überhaupt. Und ein Extra-Lob gibt es für die einfühlsame Musik.