1985 war Davis im Pop, oder besser gesagt seiner Defintion von Pop (-Funk) angekommen. Wie so oft in seiner Karriere verstörte und verärgerte er Kritiker und Fans, aber das war ihm ohnehin immer ziemlich egal.
Das Trompetenspiel auf diesem Album ist frelich nur mehr ein ferner Nachklang der Fähigkeiten die er früher mal hatte, aber stellenweise blitzt immer noch Genialität auf, gerade bei den beiden reinen Popsongs ,Human Nature' und ,Time After Time' wirkt sein Spiel fast unbeteiligt, aber extrem lässig. Prominente Mitmusiker einer neuen Genration - Darryl Jones, John Scofield - und einen ,alten' Veteranen John McLaughlin gibt es hier zu hören, was das Album aber ausmacht ist der poppige aber fetzige sound, der den jungen Jazzern zu dieser Zeit nochmal zeigt, daß man Pop auch mit Anspruch in den Jazz Kontext einbauen kann. Der Pseudo Reggae von ,Ms. Morrisine' ist eines von Davis's besten Stücken der letzten Dekade, den das bleibt aufgrund der Begleitung hängen, obwohl er eigentlich kein Thema hat und zeigt wie man das klassische Jazz Schema auf den Kopf stellen kann. ,Street Scenes' und ,Something's On Your Mind' sind Funk Pop Instrumentals die trotz ihrer Beliebigkeit, durch ihr Arrangement ansprechen und zeigen, daß der große alte Mann des Jazz immer noch genau wußte was er wollte, auch wenn es nicht sofort für jeden nachvollziehbar war. Schade nur, daß es zu dieser Zeit nicht zu einer Kollaboration mit Prince kam, aber wahrscheinlich waren das einfach zwei zu große Egos.
Das darauffolgende ,Tutu' - eh mehr ein Soloalbum von Marcus Miller - war noch gefälliger und kommerziell erfolgreicher, ,You're Under Arrest' ist aber kantiger und auch interessanter, weil es einfach noch viel mehr Miles Davis ist.