Wahrlich, das Warten hat sich gelohnt! Nach 7 Jahren in denen er für die breite Öffentlichkeit quasi vergessen war, kommt Morrissey mit diesem Album triumphal im neuen Jahrtausend an.
Begonnen wird mit "America is not the world" einem wunderbaren Manifest dafür,dass Morrissey nicht nur zu Großbritannien eine Hassliebe empfindet. Weiter geht es mit "Irish blood, english heart", einem hervorragenden Stück auf der Suche nach einem "anständigen" Patriotismus (das wohl auch die endgültige Antwort auf die absurden Rassismus - Vorwürfe gegen Morrissy sein dürfte). Es folgt das bescheidene Bekenntnis Morrisseys "I have forgiven Jesus", dem, für meine Begriffe, schönstem Stück des Albums, dem wiederum die verträumte und sehnsüchtige Ballade "Come back to camden" nachfolgt (Morrissey lebte übrigens in den 90er Jahren im Londoner Stadtteil Camden). Anschließend wird dem Hörer in "I'm not sorry" erklärt, dass es für Morrissey nie eine Traumfrau gab - die Interpretation dessen bleibt dann jedem selbst überlassen. Fakt ist,dass "The world is full of crashing bores" ein tolles Stück ist und eine würdige Vorbereitung für "How can anybody possibly know how I feel?" darstellt, welches jedem, der sich irgendwie mit den Smiths und Morrissey identifiziert aus der Seele sprechen dürfte. Zu "First of the gang to die" muss ich wohl nichts sagen, außer, dass es wohl zu den besten Liedern auf dieser Welt gehört. Darauf folgt "Let me kiss you" - eine gelungene Ballade, die Morrissey auch beharrlich auf keinem Konzert auslässt, wo allerdings das Klaviersolo durch ein (noch) schöneres Trompeten - Solo ersetzt wird. Wahrscheinlich besteht Morrissey derart auf dem Stück, weil seine Freundin Nancy Sinatra es coverte und veröffentliche. Ich vermute es jedenfalls. "All the lazy dykes" ist dann des Albums einzige Schwachstelle, wenn man auf dem Niveau von derartigem sprechen kann. Diese ist jedoch nach dem - man lese und staune - aufrichtigem Liebeslied "I like you" schnell vergessen gemacht und das absolut desillusionierte "You know I couldn't last" beschließt würdig ein Album, das nur als brilliant zu bezeichnen ist.
Der einzige ernstzunehmende Kritikpunkt ist, dass die Lieder keinen hörbaren Zusammenhang untereinander haben. Man könnte meinen, dass das Album eine Anneinanderreihung von Singles ist. Aber da man bedenken muss, dass das ALbum quasi 7 Jahre Vorlaufzeit hatte und die Lieder vermutlich über diesen Zeitraum verteilt entstanden, ist das mehr als entschuldbar. Zumal jedes der Lieder bei vielen Künstlern eine potenzielle Single wäre und außerdem jedes Lied für sich ein kleines Kunstwerk ist, kann ich nichts anderes als die Höchstpunktzahl vergeben. Mit "Vauxhall and I" ist es sicherlich (bis jetzt) der Höhepunkt in einem beeindrucken Gesamtwerk.