Talent besaß die liebe Chen Marshall schon immer, eine unverkennbare Stimme, ein Gesangsattitude, bei dem man hinhört und dahinterhören will, doch bei den ersten Alben konnte man nur mit absoluter Konzentration und genügend narkotischen Mitteln mehr hören - wo es anderen früheren bluesigen Gefühlssession an Ordnung und Durchblick fehlt, blüht "YOU ARE FREE" vom Frühling 2003 schlichtweg auf. Vom ersten Lied an, der einfachen doch extrem eingängigen Pianoballade "I Don't Blame You", ist man verzaubert; es ist wohl ein Stück über einen eigenwilligen Musiker ("last time I saw you were on stage, Last time I saw you, you were on stage. Your hair was wild, your eyes were red. You were in a rage
You were swinging your guitar around. Cause they wanted to hear that sound
That you didn't want to play.I don't blame you."), dass auf so viele besessene Künstler passen könnte. Der zweite Track "Free" schranzt so vor sich hin, akkustisch oder unverzerrte, direkte E-Gitarre, akkordlastig, setzen den gesamten Liedern eine nie vorhergehörte Magie und Ordnung: Es handelt sich um herzensergreifende persönliche Lieder. "Good Woman" ist eine wunderbare Countryballade mit Streicherarrangements und warbenden, seufzenden Gitarren, und einem meisterhaften Gast an den Backing Vocals: Pearl Jam's Eddie Vedder ließ sich für das Album als bassige Alternative zu Chen's süßlich-hohen Stimmen engagieren. Eine weitere prominenter Musiker setzt seine Akzente am Schlagzeug, niemand anderes als Ex-Nirvana Schlagzeuger und Foo-Fighters Frontman Dave Grohl, der genauso wie Vedder, nur mit Initialien im Booklet erwähnt wird. Seine reduzierte Art, songdienlich Schlagzeug zu spielen, teilweise nur akzentriert einzelne Elemente perkussiv zu verwenden (toms und cymbals oder bei manchen songs nur bass-drum) gibt den Songs gekonnte Rhythmik ohne sie dabei aufzublasen, so auch auf der rockigen Single "He-War", die es damals auch ins Musikfernsehen und die Alternativcharts geschafft hat.
Es ist die eigene Art aussagekräftige und einfache Zeilen zu singen, die Cat Power hier zum Charme verschaffen: "I never meant to be the needle that broke your back, you were here, you were here, don't look back, he war, he will kill for you." Worte wie Arrangements schaffen Platz zur Reflektion: Reduzierte Schönheit.
"Baby, black is all you see, don't you want to be free?"
Königstrack der CD ist allerdinges "Maybe Not", eine Süße, die man hören muss um es zu beschreiben..
"We can all be free, maybe not with words, maybe not with a look, but with your mind" Neil Young, Joni Mitchell..70s hippieske Liedermachkunst at its best: Nachdenklich, berührend und Kredibil.
Der Nachfolgetrack "Names", eine persönliche Zeitreise zu verschiedensten Namen der Vergangenheit, deren persönliche Schicksale und wie sie sich im Leben (wieder) verlieren, "I don't know where he is, I don't know where they are", haucht Chen am Ende ins Mikrophon - ein unvergessliches Lied.
Zum Finale lädt dann das wunderbare Duett Vedder's tiefste Bassstime und Chen's entzückend-nachdenkliches Seufzen auf "Evolution": better call on evolution; better way to make a revolution; BETTER make your mind up quick".
Nach Jahren ist dieses Album immer noch gerne ein Griff ins Regal. Es hat eine ganz eigene Magie, und ist für mich CAT POWERs unerreichtes Meisterwerk, das wirklich mehr Beachtung verdient (und verdient hätte).
Jeder, der ein offenes Ohr für folikes Songwriting hat, melancholischen Tönen nicht abgeneigt ist oder mal eine neue Frauenstimme entdecken will, wird an Cat Power's You Are Free seine Genugtuung finden.