Delicacy und subtlety sind Schlüsselwörter der Empfindungswelt Yoricks; sie umschreiben seine Feinnervigkeit und seine aufs höchste gesteigerte Empfänglichkeit für sinnliche Reize. Als er z. B. in Calais eine Kutsche mieten will, dabei einer schönen Dame aus Brüssel begegnet und zufällig ihre Hand berührt, veranlaßt ihn dies zu einer subtilen Analyse seiner Empfindungen. »Der Pulsschlag der Adern an meinen Fingern, die sich auf die ihren preßten, sagte ihr, was in mir vorging: sie sah zu Boden - eine Stille von mehreren Augenblicken folgte.« Hier klingt auch bereits das erotische Motiv an, das das ganze Buch durchzieht, wie überhaupt Yoricks Weltsicht durchaus erotisch gefärbt ist. Die gleiche »Subtilität des Gefühls« genießt er, als er in einem Pariser Buchladen der schönen Verkäuferin den Puls fühlt. Daß er in dieser Situation nur mit Mühe der fleischlichen Anfechtung entgeht, macht allerdings deutlich, wie gefährdet diese platonische Gefühlswelt in Wirklichkeit ist.
Mitleid ist der zweite große Gefühlsbereich, in dem Yorick lebt. So vergießt er Tränen der Rührung, als er in Moulins die umnachtete Hirtin Maria, der auch Tristram Shandy begegnet war, aufsucht. Immer wieder sind es vor allem die Außenseiter der Gesellschaft - der Zwerg, der vom Vaterland mit Undank belohnte alte Offizier, der zu Unrecht degradierte Adlige -, die sein Herz bewegen. - Humoristische Akzente hat Sterne vor allem dadurch gesetzt, daß er dem reisenden Landpfarrer einen naiv-bauernschlauen Diener zur Seite stellt, der gleichwohl die Gefühle seines Herrn nachempfinden kann. LaFleur ist Yorick, der ihn aus einem elenden Dasein befreit hat, treu ergeben, wacht - wie Colonel Trim in Tristram Shandy - über ihn und versucht, insgeheim seine pikanten Abenteuer zu steuern.