Diese erste Monographie des Werkes des chinesischen Künstlers Yongbo Zhao zeigt zum ersten Mal mit rund 100 Gemälden und Radierungen ein wirklich außergewöhnliches Oeuvre. Da begegnen dem Betrachter eine Mona Lisa, deren Brüste in Parmaschinken zerfallen, weit aufgerissene Mäuler, halb Mensch, halb Tier, Kopulationsbilder mit Hammelpaaren, die sehr deutlich an Menschen erinnern In der Malerei von Yongbo Zhao feiert das Absurde fröhliche Urständ.
Dabei geht es ihm immer und einzig um den Menschen, mit dem er sich ausnahmslos beschäftigt, sowohl in einzelnen Porträts, als auch in Bildern mit einem erzählerischen Zusammenhang. Dabei scheut er vor keinem Tabu zurück und decouvriert die klassischen menschlichen Verhaltensweisen in einer unerschrockenen und ehrlichen Weise.
1964 in der Mandschurei geboren, hat Yongbo Zhao nach seinem Studium zunächst als Dozent für abendländische Malerei und Kunstgeschichte an der Pädagogischen Universität in Changchun gearbeitet, bevor er das Land verließ, um von 1991 bis 1998 ein Studium an der Akademie für bildende Künste in München bei Robin Page zu absolvieren, das er als Meisterschüler abschloss. Seit dieser Zeit lebt und arbeitet er in München und hat in der Zwischenzeit zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen gehabt.
Dieser farben- und sinnenfrohe Bildband mit seinen Werken gibt nun zum ersten Mal einem größeren Publikum die Gelegenheit, die außergewöhnliche Kunst dieses Mannes kennen zu lernen. Ein Künstler, der sich in der abendländischen Kunst auskennt wie kaum ein Europäer, ein Maler, der genial spielt mit Zitaten und Verweisen aus der Kunstgeschichte und der aktuellen Welt der Medien.
Bei fast allen in diesem Band versammelten Bildern spürt man die geistige Verwandtschaft Yongbo Zhaos mit seinem großen europäischen Vorbild Goya.
Bei dem sorgfältigen und wiederholten Betrachten dieser bemerkenswertren Bilder ist mir mehr aufgegangen über die Urtriebe des Menschen, von seiner Gier nach Ruhm und seiner Sucht nach Macht als in mancher psychologischen oder sozialwissenschaftlichen Monographie.
Von diesem im besten Sinne kritischen Künstler wird man in den nächsten Jahren noch mehr hören.
Gottfried Knapp, der Herausgeber dieses Bildbandes ist davon auch überzeugt, wenn er am Ende seines Vorwortes schreibt:
"Innerhalb der Riege der heute im Westen so erfolgreichen chinesischen Künstler seiner Generation brilliert Yongbo Zhao mit einer bildnerischen Eigenwelt von unvergleichlichem motivischem Reichtum und mit einem böse sezierenden Witz. Aus der Flut der heute so erfolgreichen flinken Genremalereien aber hebt sich sein bildnerisches Werk durch einen scheinbaren Widerspruch heraus: durch die unbegreifliche technische Meisterschaft, mit der Zhao eine in Europa weitgehend vergessene Malkunst wieder belebt hat, und durch den anarchischen Impetus, mit dem er die Inhalte und Stilformen der Alten weiterdenkt, transformiert, dekonstruiert und dem große Lachen preisgibt, das er in seinen Bildern gerne selber anstimmt. Wie Alfred Hitchcock als Person durch seine Filme geistert, hat Zhao sein Selbstbildnis immer wieder in seinen Kompositionen versteckt. Fast immer ist dieses Gesicht verzerrt vom Lachen über das, was sich in seiner Umgebung regt. Wer dieses Lachen einmal gehört hat, weiß dass es groß und mächtig und durch nichts zu bremsen ist."
Ein Lachen, das dem Menschen und der Gesellschaft den Spiegel vorhält.