Die 62 Fragen und Antworten in diesem kleinformatigen Buch sind überwiegend allgemeingültiger Art und auf ein Lesepublikum zugeschnitten, das sich erstmalig mit Yoga befasst. Es geht um Fragen, die bereits vor zehn Jahren von Anni Kraus und Margaret Minker in ihrem Buch "100 Fragen zu Yoga" (Brigitte bei Goldmann, 1995) beantwortet wurden: "Was ist Yoga", "Was ist Hatha Yoga" , "Gehört zum Yoga auch Meditation" u.a.m. Allerdings gibt es bei Anna Trökes auch neue Fragestellungen wie z.B. "Warum ist Yoga eine Guerillatechnik" oder "Fördert Yoga das soziale Bewusstsein?".
Einige Antworten der Autorin sind eher subjektiv und von eigenen Vorlieben geprägt, wie z.B. die Ausführungen zum Fleischverzehr mit dem Zitat eines nicht näher benannten "Großen Yogameisters", der meinte: >Solange man noch an Schinken denkt, sollte man ihn auch essen!<. Und wer gerade an Zigaretten oder Drogen oder Gewaltexzesse denkt? Der sollte rauchen, sich einen Schuß setzen und zuschlagen???
Die meisten Ausführungen geben jedoch den gegenwärtigen Kenntnisstand über Yoga und dessen Umfeld wider, verständlich und zeitgemäß formuliert.
Weder stichhaltig noch zutreffend ist allerdings die Behauptung, dass die Nationalsozialisten "schon bald eine Verbreitung des Yoga" unterbanden (S.17): Yogabuchautoren wie Issberner-Haldane oder der Indologe und Yogaforscher J.W.Hauer waren überzeugte Nationalsozialisten. Und laut Dr. Christian Fuchs ("Yoga in Deutschland", S. 89ff) entstanden die ersten Yogaschulen in Deutschland in den Jahren vor 1945. Selbst in Berlin, der Schalt-und Machtzentrale des Dritten Reiches, konnte sich die Yoga-Schule für "Indische Körperertüchtigung" von Boris Yogiraj Sacharow von "wenigstens 1937 bis 1943" (Fuchs, S. 84) halten. Auf ein Verbot des Yoga oder einen Interessenkonflikt deutet dies ebensowenig wie Himmlers Lieblingslektüre: die Bhagavad Gita, die er immer bei sich trug. (siehe hierzu: Michael Hesemann, Hitlers Religion, S. 327f.)
Widersprüchlich sind aus meiner Sicht jene Abschnitte, die sich auf das Verhältnis von Yoga und Religion beziehen. Da wird einerseits festgehalten, dass "das Gerücht, Yoga sei eine Religion, jeder Grundlage entbehrt" (S. 20). Andererseits und andernorts wird jedoch dezidiert auf heilige Texte und die heilige Sprache Sanskrit verwiesen, werden Hingabe an das Göttliche und die Praxis der Gottesverehrung als Bestandteil des Yoga beschrieben.
Gerade für Außenstehende oder Yoga-AnfängerInnen ist dies verwirrend und nicht nachvollziehbar, zumal einige Yogazentren eher dem Inneren eines Hindutempels ähneln als einem neutralen respektive religionsfreien Praxisraum. Die Feststellung, dass es sowohl einen religiösen, hinduistischen bzw. theistischen Yogaweg gibt als auch einen profanen, nicht-theistischen Yogapfad, wäre zutreffender.
Trotz der vorgebrachten Einwände ist das Buch insgesamt lesens- und empfehlenswert, da (fast) alle Fragen, die sich auf Yoga beziehen oder sich beim Üben ergeben, anschaulich und fundiert beantwortet werden.