Ein wirklich gehaltvolles Buch zum Thema Yoga ist dieses vom rumänischen Religionswissenschaftler Mircea Eliade. Es beschäftigt sich mit der Struktur der Entstehung yogischer Techniken und stellt viele Parallelen her zu unterschiedlichen religiösen Strömungen, die im Laufe der Geschichte auf dem indischen Subkontinent entstanden sind. Das Werk ist sehr umfassend und erforscht ältere indische Literatur und eben auch Kontakte zwischen Kulturen, z.b. wird der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene Kulturen in Indien überlagert haben und wie sich das im Hiduismus letztlich niedergeschlagen hat. Trotzdem das Buch oft komplizierten Gedankengängen folgt, bleibt es an relevanten Stellen gut verständlich und sehr klar in der Sprache.
Interessant fand ich besonders die Parallelen, die vom Yoga zum Schamanismus (wofür Eliade ja auch als besonderer Experte gilt) gezogen werden. Ein Buch, dass sicher nicht zur Entzauberung vom Yoga beiträgt, sondern unbedingt Lust macht, sich weiter mit dem Thema auseinanderzuseten. Da kommt es einem schon recht blasphemisch vor, wenn man so Sachen hört wie "Schlankheits-" oder "Poweryoga" - mag in unserer westlichen Gesellschaft durchaus seine Berechtigung haben, aber nach Lektüre des Buchs wirkt es auf mich eher, als wenn man hier in einer Kirche den Weihwasserkessel als Schleuderball zweckentfremdet, um sich so "fit" zu halten. Na, meine Meinung..
Wie dem auch sei: Ein sehr gehaltvolles, ja auch vom Textlichen her, literarisches Buch, nicht unbedingt ein spiritueller easy-reader, sondern auch religionswissenschaftlich fundiert und nichts zum Nebenherlesen.