Mantak Chia versucht in diesem Buch, einem westlichen Publikum taoistische Lebensphilosophie, die sich insbesondere in dem besonderen Umgang mit sexuellen Praktiken niederschlägt, näherzubringen. Ein fataler Fehler dieses Werkes ist aber, dass einführende und erläuternde Bemerkungen zum philosophischen Hintergrund entweder zu knapp gehalten oder schlichtweg falsch sind: eine Art Schnellkursus im Taoismus, bei der viel Detailinformation verloren geht. Insbesondere wird dem westlichen Leser die Grundidee des Taoismus - das gleichzeitige Vorhandensein weiblicher und männlicher Energien in jedem Menschen - nicht verdeutlicht, ja er wird sogar in die Irre geführt, da männliche Energie direkt mit dem Mann, weibliche mit der Frau identifiziert wird. Ein folgenschwerer Irrtum, der an scholastische Leitmotive erinnert und nichts mehr mit Taoismus zu tun hat. Es kann nicht darum gehen, Menschen als Repräsentanten eines Geschlechtes ausschliesslich als Vertreter ihrer Tendenz zu verstehen, sondern vielmehr darum, beide Tendenzen in jedem Menschen sinnvoll zu verbinden. Gerade dazu liefert das Buch aber keine bzw. nicht ausreichende Hinweise, sondern führt eine Art Trivialontologie durch, bei der in leitmotivische Weiblichkeit und Männlichkeit im Hinblick auf reale Personen unterschieden wird. Das ist nun so falsch wie nur irgend etwas: weder ist der Mann als solcher nur yang, noch ist die Frau nur yin, sondern beide repräsentieren durchaus beides. Ziel des Taoismus ist eben nicht Separation beider Tendenzen, sondern Vereinigung. Das wird in diesem Buch (das zudem auch medizinische und historische Irrtümer enthält) nicht deutlich, und deshalb kann ich es nur bedingt empfehlen.