Ich glaube, es ist inzwischen allbekannt, dass es en vogue ist, Trainingsbücher aller Art mit anatomischen Bildern zu bestücken. Einige habe ich schon gesehen (ein Anatomie-Trainingsbuch für Frauen habe ich vor längerer Zeit einmal besprochen). Keines aber bisher zum Yoga. Da ich selbst einigermaßen regelmäßig Yoga mache und diese Ausführung nicht nur sinnvoll finde, sondern auch reizvoll, möchte ich darüber berichten.
In einem ausgewogenen Verhältnis von Theorie und Praxis wird der Reiz von Yoga auf eine ganz neue Weise vorgestellt. (Etwas mehr als 1/4 Theorie auf den ersten 40 Seiten und der Praxisteil auf den restlichen 140 Seiten).
Im ersten Teil geht es um die Biomechanik und die Physiologie des Dehnens. Hier wird der Ablauf aber auch der Sinn von Dehnübungen erklärt und die Möglichkeiten für die Aktivierung von Muskeln und den gesamten Körper. Das "motorische Homunculus-Männchen" auf S. 35 fand ich zur Veranschaulichung der Bedeutung der Verbesserung des Körperbewusstseins sehr sinnig. Ich hatte es im Zusammenhang von basaler Stimulation von bettlägrigen (und Koma-) Patienten schon einmal gesehen, finde es aber auch in diesem Kontext sehr angebracht.
Nun aber zum Praxisteil, der mir am meisten am Herzen liegt:
Am spannendsten finde ich die Idee mit den Anatomie-Illustrationen die Grenzen des Körpers ins Innere zu überschreiten. Damit wird auch gezeigt wie man bei der Ausführung der Asanas eben auch an die eigenen Grenzen gehen kann. An den Illustrationen kann man sehr schön ablesen, bei welchen Asanas welche Muskeln aktiviert und welche wie gedehnt werden. Durch die unterschiedliche Färbung springen die Details von Haltungen ins Auge und bieten einmal einen "anderen Blick" auf den Körper. Meiner Meinung nach ist dies fürs Üben sehr hilfreich und kann sich neben meinen anderen Yoga-Büchern sehen lassen. Ich habe jetzt die letzten drei Tage mit diesem Buch auf dem Boden geübt und neue Einsichten gewonnen, die mich auch meinem Körper näherbringen.
Ein Wehmutstropfen für manche könnte sein, dass in diesem Buch genaue Anleitungen für die Durchführung der Übungen fehlen. Kurze Einführungen machen aber immer noch einmal bewusst, worum es bei der jeweiligen Übung geht und fassen zusammen, wofür sie gut ist. Für Anfänger empfehle ich dieses Buch damit ausdrücklich nicht. Für Yoga-Übende mit Erfahrung (und dazu zähle ich mich) ist dieses Buch allerdings eine perfekte Ergänzung zu anderen Büchern. Indem ich mich (mit Blick auf die Bilder) auf die jeweiligen Muskelgruppen konzentriere, empfinde ich das Training als viel intensiver. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen und werde weiter auf das Buch zurückgreifen. Meine Empfehlung.
Da man bei Amazon soweit ich sehe nicht ins Inhaltsverzeichnis sehen kann kurz eine Zusammenfassung der Asanas und Übungsfolgen, die im Praxisteil in der 3-D-Anatomie-Form vorgestellt werden:
- Der allbekannte Sonnengruß
- Haltungen im Stehen (Vorbeuge im Stand, Baum, verschieden Dreieck-Haltungen, verschiedene Krieger und einige mehr)
- Hüftöffner (Winkelsitz, Beinschere und Beindehnung sowie Beindrehung.
- Vorbeugen (Kopf-an-Knie-Haltung, Stocksitz, verschiedene Vorbeugen im Sitzen, das Boot, Torstellung und Schildkröte sowie andere)
- Drehhaltungen (Maharishi-Haltungen I und III sowie Drehsitz - den Maharishi I kannte ich bisher nicht fand ich aber sehr interessant)
- Rückbeugen (Heuschrecke, aufschauender Hund, Kamel, Bogen, Rad, Taube)
- Armgestützte Haltungen (Seitstütz, Brett, Krähe, Insektenhaltung, Pfauenfeder u. a.)
- Umkehrhaltungen (Kopfstand, Kerze, Pflug)
- Ruhehaltungen (Kindhaltung, Schulterbrücke, einfache Umkehrhaltung, Totenstellung)